Mit KARL zeigt das Mittelstand-Digital Zentrum Fokus Mensch, dass ein leistungsfähiger KI-Agent vollständig auf eigener Hardware betrieben werden kann. Zwei handelsübliche Apple-Rechner bündeln ihre Ressourcen zu einem kleinen Inferenz-Cluster, auf dem ein großes Sprachmodell lokal läuft. Bedient wird der Assistent über Telegram, ganz ohne Cloud und ohne laufende API-Kosten.
Generative KI wird im Mittelstand meist über Cloud-Dienste genutzt. Das ist bequem, wirft aber Fragen auf: Wohin fließen die Daten? Was kosten die Dienste auf Dauer? Und was passiert, wenn ein Anbieter Preise, Bedingungen oder Verfügbarkeit ändert? Der Demonstrator KARL (KI-Assistent Rechnet Lokal) gibt eine praktische Antwort. Er zeigt, wie ein KI-Agent mit einem großen Sprachmodell komplett im eigenen Haus betrieben werden kann, auf Hardware, die in vielen Unternehmen bereits vorhanden ist oder ohne Großinvestition beschafft werden kann.
Ziele des Projekts
- Digitale Souveränität demonstrieren: KARL zeigt, dass moderne KI-Assistenz ohne Cloud-Dienste möglich ist. Alle Daten bleiben im Unternehmen, das System funktioniert auch ohne Internetverbindung.
- Verteilte lokale Inferenz erproben: Zwei baugleiche Rechner werden über ein Thunderbolt-Kabel zu einem Cluster verbunden. So lassen sich Sprachmodelle betreiben, die für ein einzelnes Gerät zu groß wären.
- Agentische KI im Alltag verankern: Der Assistent beantwortet nicht nur Fragen, sondern nutzt Werkzeuge und ist über einen vertrauten Messenger erreichbar, sodass keine neue Software erlernt werden muss.
- Wissenstransfer ermöglichen: Aufbau, Konfiguration und alle Erfahrungen sind in einem ausführlichen Admin-Manual mit Lessons Learned dokumentiert, mit dem IT-Verantwortliche in KMU das System nachbauen können.
Technische Umsetzung
- Hardware: Zwei baugleiche MacBook Pro mit Apple Silicon und je 128 GB gemeinsamem Speicher, verbunden per Thunderbolt mit aktiviertem RDMA für schnellen Speicherzugriff zwischen den Geräten.
- Inferenz: MLX und mlx-lm, das quelloffene Machine-Learning-Framework von Apple, im verteilten Betrieb über das JACCL-Backend.
- Sprachmodell: Verschiedene Open-Weight-Modelle werden ausprobiert, wie bspw. von einem Qwen3.6/Qwen3.8 27b bis hin zu einem MiniMax M2.5 (230b).
- Schnittstelle: Eine OpenAI-kompatible API, an die sich beliebige weitere Anwendungen im Unternehmen anbinden lassen.
- Agent: Der quelloffene Hermes-Agent von Nous Research mit Telegram-Anbindung, Desktop-App und Web-Dashboard.
Einsatzszenarien
- Persönlicher KI-Assistent, erreichbar über den Messenger auf dem eigenen Smartphone.
- Recherche- und Wissensaufgaben mit vertraulichen Unternehmensdaten, die das Haus nicht verlassen dürfen.
- Zentrales KI-Backend für weitere Anwendungen im Unternehmen über die offene API.
- Experimentierplattform, um agentische KI risikofrei und ohne laufende Kosten zu erproben.
Mehrwert für den Mittelstand
- Volle Datenhoheit: Anfragen, Dokumente und Antworten bleiben vollständig im Unternehmen.
- Kalkulierbare Kosten: Keine laufenden API-Gebühren, die Investition beschränkt sich auf Standard-Hardware.
- Unabhängigkeit: Kein Vendor-Lock-in bei Cloud-Anbietern, das System läuft auch offline weiter.
- Übertragbares Wissen: Der dokumentierte Aufbau inklusive Lessons Learned macht Erfolge und Stolpersteine für Nachahmer transparent.
Links
- Hermes-Agent (Open Source): github.com/NousResearch/hermes-agent
- MLX (Open Source, Apple): github.com/ml-explore/mlx
- Effizientes Wissensmanagement mit dem RAG-Demonstrator des Mittelstand-Digital Zentrums Fokus Mensch
Weitere Informationen
Kontakt
Erik Dethier
- Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
- Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability
- Grantham-Allee 20
- 53757 Sankt Augustin
David Golchinfar
- Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
- Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability
- Grantham-Allee 20
- 53757 Sankt Augustin
- +49 (0)2241 865 9858
- www.h-brs.de/de/wiwi/david-golchinfar