Zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen beschäftigen sich bereits mit KI, zögern aber noch bei der praktischen Umsetzung. Auf dem Hamburg Innovation Summit 2026 wurde deutlich: Der Einstieg muss nicht perfekt sein. Viele Expert:innen empfahlen, mit kleinen Pilotprojekten zu beginnen, Mitarbeitende aktiv einzubeziehen und Erfahrungen Schritt für Schritt aufzubauen.
Der Hamburg Innovation Summit 2026 brachte Unternehmen, Wissenschaft, Verwaltung und Start-Ups zusammen, die sich mit Ideen und Erkenntnissen für zukünftige Entwicklungen beschäftigen. In vielen Gesprächen und Vorträgen standen die Chancen und Herausforderungen von KI und Digitalisierung für KMU im Mittelpunkt.
Was wurde diskutiert und empfohlen? Hier einige Auszüge zum Thema Digitalisierung und KI-Transformation in Unternehmen:
Ganz oder gar nicht? Wie anfangen?
In mehreren Beiträgen waren sich Expert:innen einig, dass kleinere Pilotprojekte für Use Cases ein guter Start sind, um KI-Tools in konkrete Geschäftsprozesse zu integrieren. Kleinere Teams können sich auf diese Weise mit konkreten Zielstellungen beschäftigen, geeignete Lösungen testen und in diesem Rahmen ermitteln, welchen Mehrwert der Einsatz von KI-Tools bringt und wo Herausforderungen liegen.
Als Grundlage für erfolgreiche Pilotprojekte wurden klare Zuständigkeiten, Ansprechpersonen, ein abgesteckter Rahmen und handlungsleitende Frameworks beschrieben. Letztere seien wichtig, um Datenschutz und Barrierefreiheit den Unternehmenswerten und rechtlichen Vorgaben entsprechend zu beachten, sollten aber als Möglichkeitsrahmen verstanden werden, der eine sichere Basis bietet, aus dem Kreativität und innovative Ideen wachsen können.
Unternehmen haben häufig eine heterogene Belegschaft und sollten versuchen, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Mitarbeitende stehen an unterschiedlichen Startpunkten, was Digitalkompetenz und den Umgang mit (generativer) KI betrifft. Wie kann man dieser Heterogenität am besten begegnen? Expert:innen empfehlen:
- Menschen dort abholen, wo sie stehen: Flexible Lernangbeote statt standardisierter Schulungen
- Mit Freiwilligen starten: Innovationsoffene Mitarbeitende können neue Tools zuerst testen und ihre Erfahrungen anschließend an Kolleg:innen weitergeben
- Analoge Räume für Fragen schaffen: Regelmäßige Austauschformate helfen dabei, Unsicherheiten abzubauen und voneinander zu lernen
- Selbst ausprobieren: Konkrete Anwendungsbeispiele, die Mitarbeitenden Sicherheit in der Anwendung von KI-Tools vermitteln
- Verständlich kommunizieren: Neue Technologien möglichst ohne Fachjargon erklären und an vertraute Kontexte (z. B. bestehende Arbeitsabläufe) anknüpfen
Anstatt zu sagen „hier habt ihr Tools – nutzt sie“, bestehe ein wirkungsvollerer Weg bspw. darin, aufzuzeigen und ausprobieren zu lassen, welche Tätigkeiten im Bereich der Text-, Bild oder Videoproduktion vereinfacht werden können. Die Neugier Mitarbeitender zu wecken und analoge Räume für Fragen und Austausch zu schaffen, biete laut der Expert:innen einen konkreten und motivierenden Rahmen, in dem KI-Tools mit höherer Wahrscheinlichkeit genutzt werden.
Dazu passt auch die Kernfrage der Keynote von Global Tech Influencerin Lara Sophie Bothur, wie viele schon einmal während einer Unterhaltung über Technologie zugehört und genickt hätten, ohne etwas zu verstehen. Um zu vermeiden, dass Mitarbeitende (oder CEOs) sich verschließen und an Entwicklungen aus Angst und Unverständnis nicht teilnehmen, ist es wichtig, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der Fragen ausdrücklich erwünscht sind. Wer Unsicherheiten offen ansprechen kann, beteiligt sich eher an Veränderungen und Entwicklungen.
Um diesen Wandel anzustoßen kann es hilfreich sein, Beratung und Expertise von außen ins Unternehmen zu bringen. Auch Wissen in Netzwerken zu teilen bringt Vorteile und erweitert die Perspektiven, da andere Unternehmen vor ähnlichen Herausforderungen stehen oder Probleme bereits erfolgreich gelöst haben.
Zwar wurde auf unterschiedlichen Panels angemerkt, dass die Digitalisierung teils verschlafen wurde, sodass nun - wo KI hinzukommt - noch unterschiedlichere Voraussetzungen bestehen. Einheitlicher Tenor der Expert:innen war jedoch, dass der richtige Zeitpunkt zum Start in das Thema auf jeden Fall jetzt sei, um zukünftige Entwicklungen für das eigene Unternehmen klug nutzen zu können.
Den Wandel nachhaltig und überlegt gestalten
Um die digitale Transformation nachhaltig im Sinne von zukunftsfähig und resilient zu gestalten bietet es sich zudem an, mit Mitarbeiter:innen darüber im Gespräch zu bleiben, wie sich ihre Rolle durch neue Entwicklungen verändern kann. Wie hat sich die eigene Rolle vielleicht bereits verändert durch den Einsatz generativer KI? Welche wiederkehrenden Tätigkeiten gibt es, die zukünftig ggf. ausgelagert werden? Was kann das – insbesondere für junge Mitarbeitende – für die zukünftige Rolle in Bezug auf technische und digitale Innovationen bedeuten?
Bei der Entscheidung für KI-Tools sollte zudem immer abgewogen werden, ob sich statt der großen, meist teuren Modelle auch kleinere, kostenlose Open-Source-Lösungen anböten. Diese könnten für viele Anwendungsfälle leistungsstark genug sein und zudem runtergeladen und auf lokaler Infrastruktur genutzt werden. Auch in Bezug auf mögliche Abhängigkeiten von den USA oder China rieten verschiedene Expert:innen dazu, sich nicht nur auf Flagships aus den USA oder China zu konzentrieren, sondern europäische Lösungen in Betracht zu ziehen. Als Beispiel wurde Mistral AI_ als europäischer Anbieter eines Large Language Models (LLM) genannt.
Ebenfalls wurde diskutiert, dass LLMs überwiegend mit englischsprachigen Trainingsdaten trainiert würden, die viele blinde Flecken bzgl. Diversität aufweisen, sodass Menschen Tools nicht unkritisch, sondern gezielt und überlegt nutzen sollten, während sie sensibel für toolinhärente Biases bleiben.
Welche Entwicklungen sollten KMU im Blick behalten?
Expert:innen nannten insbesondere vier Themen im Bereich Digitalisierung und KI:
- Agentic AI-Systeme: Können Aufgaben zunehmend eigenständig ausführen
- EU AI Act: Neue regulatorische Anforderungen und Fragen digitaler Souveränität
- Quantencomputer: Langfristig relevant für IT-Sicherheit und Verschlüsselung
- Space Tech: Neue Anwendungen rund um Satellitendaten und Kommunikation
Nicht alle Entwicklungen werden KMU kurzfristig betreffen. Sie zeigen jedoch, in welche Richtung sich digitale Innovationen aktuell entwickeln.
Schlussbemerkung
Das vielleicht wichtigste Learning des Hamburg Innovation Summit: Unternehmen müssen nicht auf die perfekte Strategie warten, um mit KI zu starten.
Kleine Pilotprojekte, offene Lernkulturen und der Austausch mit anderen Unternehmen ermöglichen es, Erfahrungen zu sammeln und Risiken besser einzuschätzen. KI ersetzt dabei weder Fachwissen noch strategische Entscheidungen. Sie kann aber dort unterstützen, wo Prozesse bisher regelmäßig viel Zeit kosten und große Datenmengen ausgewertet werden müssen.
Nutzen Sie den Moment und starten Sie jetzt, sich mit KI-Anwendungen in Ihrem Unternehmen auseinanderzusetzen.
Für mehr Information, Weiterbildung und Vernetzungsmöglichkeiten schauen Sie sich auch die Materialien der Mittelstand-Digital Zentren an, die Ihnen für viele Themen Orientierung und einen guten Einstieg ermöglichen.
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Mehr zu Agentic AI oder dem EU AI Act können Sie im Leitfaden „Digitale Souveränität als Basis für sichere KI-Anwendungen“ des Mittelstand-Digital Zentrum Fokus Mensch lesen.
Zur Intagration von KI in KMU gibt es einen Leitfaden vom Mittelstand-Digital Zentrum Kaiserslautern.
Das Mittelstand-Digital Zentrum Chemnitz informiert in der Wissensbox Recht über Urteile und Vorschriften im Themenfeld KI und Digitalisierung und gibt Handlungsempfehlungen für Unternehmen.
Allgemeine Informationen zu KI-readyness in KMU finden Sie auf der Hauptwebsite von Mittelstand-Digital