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Künstliche Intelligenz revolutioniert nicht nur die Software-Industrie, sondern beeinflusst auch zahlreiche Lebens- und Arbeitsbereiche grundlegend. Aber kann sie auch Nachhaltigkeit fördern? Werfen Sie einen Blick in das Netzwerk der deutschen Digitalbranche und erfahren Sie, wie hier über die Vereinbarkeit von KI und Nachhaltigkeit gesprochen wird.

In unterschiedlichsten Sektoren, wie etwa der Gesundheit oder der Bildung, eröffnet künstliche Intelligenz sowohl chancenreiche als auch herausfordernde Perspektiven. Doch wie steht es um die Nachhaltigkeit? Lassen sich KI und Nachhaltigkeit in Einklang bringen? Welche Potenziale und Risiken bringt sie in Bezug auf Nachhaltigkeit mit sich? Was die deutsche Digitalbranche über die Vereinbarkeit von KI und Nachhaltigkeit im Mai 2025 sagt, zeigt die folgende Analyse des anbieterneutralen Digital-Zentrums Fokus Mensch auf Basis der Websites von IT-Akteuren in Deutschland.

 

Der Ausdruck „Green AI“‘ deutet die Verbindung von Nachhaltigkeit einerseits und künstlicher Intelligenz andererseits bereits an, die wir bei den Knoten im Netzwerk ausmachen konnten. Im Netzwerk ist er wenig verbreitet. Doch was genau ist gemeint, wenn er verwendet wird? Auch hier gibt es erneut wesentliche Unterschiede: Drei Gruppen von Organisationen thematisieren in unterschiedlichem Umfang und mit unterschiedlichem Fokus die Vereinbarkeit von KI und Nachhaltigkeit unter dem Schlagwort „Green AI“. 

 

Veranstaltungshinweis


Haben Sie interesse zu erfahre, wie sich Ihre Themen im Feld ausbreiten? Dann kommen Sie zur Offenen Feldanalyse. Dort analysieren Sie gemeinem mit einem Experten unseres Teams, welche Themen für Sie relevant sind und wie sich diese im Feld zeigen.


 

Die erste Gruppe versteht unter „Green AI“ die Chance, KI für eine nachhaltige Entwicklung und das Einsparen von Ressourcen zu nutzen. KI dient dazu, nachhaltige Lösungen zu etablieren, wie beispielsweise das Vermeiden von Lebensmittelabfällen in der Gastronomie.

(Weitere Beispiele: foodtracks.de, Bwcon.de, ki-allianz.de)

Die Werbung für den Green AI Day im Jahr 2024 zeigt, wie die Nachhaltigkeit durch KI “aufkeimt”.

 

Eine zweite Gruppe thematisiert unter „Green AI“ den mit der KI einhergehenden hohen Ressourcenverbrauch. Die KI gefährdet das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen, wenn sie selbst nicht auch „grün“ ist. „Green AI“ wird daher als eine KI verstanden, die selbst nach nachhaltigen Gesichtspunkten gestaltet ist.

(Weitere Beispiele: Offis.de, Uni-hildesheim.de, Uintent.com und Din.de)

Das Titelbild eines Blogeintrags zeigt das Ineinandergreifen der Farben “blau” und “grün” in einem IT-Server.

 

Drittens lassen sich eine Vielzahl an Organisationen ausmachen, die sich der Chancen, aber auch der Fallstricke von KI für die Nachhaltigkeit bewusst sind. Sie thematisieren beide Seiten der Medaille.

(Weitere Beispiele: comarch.de, digital-manufacturing-magazin.de, umweltbundesamt.de, Suso.academy, dfki.de, digital-x.eu)

Der Screenshot zeigt den Titel und  das Titelbild eines Beitrags über die Möglichkeiten, den Energieverbrauch von KI zu senken.

 

 

Das Netzwerk ermöglicht es, eine Vogelperspektive einzunehmen und dadurch etwas über das Verhältnis zwischen KI und Nachhaltigkeit zu erfahren: Das Verhältnis ist sowohl von Optimismus als auch von enormen Herausforderungen geprägt. Organisationen, die verstärkt an der Nachhaltigkeit ausgerichtet sind, sprechen auffällig wenig über KI. Die bestehende Skepsis gegenüber der nachhaltigen Nutzung von KI könnte ein entscheidender Grund dafür sein, warum die Verbindung zur KI im Bereich der Nachhaltigkeit bislang eher vorsichtig und zurückhaltend gestaltet wird.

Der Ausdruck „Green AI“ fasst die beiden Themen prägnant zusammen. Er ist derzeit nicht flächendeckend im Netzwerk vertreten. Er wird primär von Organisationen im Zentrum des Netzwerks verwendet. Der Ausdruck ermöglicht, die Verbindung von Nachhaltigkeit und künstlicher Intelligenz in seinen unterschiedlichen Facetten zu erklären. Dass er im Zuge von Events, Vorträgen und Workshops zum Ende des Jahres 2024 häufig verwendet wird, unterstreicht die Neuartigkeit im Netzwerk. Es bleibt eine Frage der Zeit und damit abzuwarten, unter welchen Aspekten die deutsche Digitalbranche die Vereinbarkeit von KI und Nachhaltigkeit gestalten wird.

 

Das Team

Theoretischer Hintergrund und Methodik

Was ist ein organisationales Feld?

In der Organisationsforschung kam die Beobachtung auf, dass Organisationen mit der Zeit einander immer ähnlicher werden. Auf der Suche nach Erklärungen prägten DiMaggio & Powell (1983) das Konzept des organisationalen Feldes. Organisationen in einem solchen Feld bilden eine Gemeinschaft, interagieren öfter miteinander und teilen Normen, eine ähnliche Sprache sowie ein allgemeines Verständnis. Ein organisationales Feld bildet sich aus, wenn die Mitglieder zunehmend stärker miteinander interagieren oder sich gegenseitig wahrnehmen. Es gibt dominante Organisationen, die besonders gut vernetzt sind und mit anderen Organisationen bevorzugt zusammenarbeiten So bilden sich Koalitionen zwischen den Organisationen.

Dadurch kann man analysieren, welche Organisationen wichtig sind und die Entwicklung eines Feldes beeinflussen, undr welche Organisationen versuchen, bestehende im Feld etablierte Organisationen herauszufordern.

Wie kann man ein organisationales Feld rekonstruieren?

Eine Möglichkeit, ein organisationales Feld zu rekonstruieren, ist die Analyse von Websites der Organisationen, wie Powell & Oberg (2017) beschreiben. Auf Websites verlinken Organisationen andere Organisationen. Folgt man diesen Hyperlinks, dann ergibt sich ein Netzwerk von Organisationen. Nimmt man bei diesem Netzwerk nur die Organisationen und Links, die sich gegenseitig verlinken, ergibt dieses Netzwerk das organisationale Feld. Wird eine Organisation besonders oft verlinkt, dann kann diese Organisation sehr wichtig sein und eine hohe Reputation genießen. Verlinkt wiederum eine Organisation eine andere, dann kann sie dadurch zum Ausdruck bringen, ähnliche Ziele wie diese zu verfolgen. Verlinken sich zwei Organisationen gegenseitig, dann heißt es, dass sie sich gegenseitig wahrnehmen und sich als Akteure im Feld anerkennen. Sie verschaffen sich gegenseitig eine der wichtigsten Ressourcen, nämlich Aufmerksamkeit.

Was sagen Websites über eine Organisation aus?

Websites erfassen nicht nur, wer wen verlinkt. Sie zeigen die Themen an, die diskutiert werden. Welche Schlagwörter aktuell sind, um wahrgenommen zu werden. Oberg, Powell & Schöllhorn (2022) sprechen in diesem Zusammenhang von Selbstrepräsentationen der Organisationen. Selbstrepräsentation bedeutet, dass sich Organisationen bewusst im Vergleich zu anderen Organisationen auf ihren Websites positionieren. Sie beweisen damit, dass sie auf aktuelle Diskurse reagieren und diese in ihre Außendarstellung integrieren können. Das ist wichtig, um durch diese Anpassungsfähigkeit Legitimität im Feld zu erhalten. Etwa, um gegenüber Kunden wettbewerbsfähig zu wirken. Oder gegenüber Investoren als technologisch up-to-date zu erscheinen. Darüber hinaus geben sie für den Beobachter noch mehr preis. Ob ein Unternehmen oder eine Organisation überhaupt auf aktuelle Trends oder Themen reagiert, ist bereits spannend: Kann es nicht oder muss es nicht reagieren? Und wenn es ein Thema aufgreift, werden dann wichtige Konzepte verändert und uminterpretiert? Selbstrepräsentation wird dann eine Fähigkeit, die nicht alle Organisationen gleichermaßen teilen (müssen). Das ist vor allem in organisationalen Feldern wichtig, in denen neue Mitglieder hinzukommen, sich die Beziehungen und Verlinkungen zwischen den Organisationen verändern und durch die Konstellationen des Feldes immer wieder neue Themen auftauchen. Ob eine Organisation tatsächlich umsetzt, was sie verspricht, ist eine andere Frage. Das öffentliche Auseinandersetzen ist aber zumindest eine wichtige Vorstufe.

Woher stammen die Daten?

Die Daten stammen aus dem Web-Monitoring der deutschen Softwarebranche, das an der Universität Hamburg für das Mittelstand-Digital Zentrum Fokus Mensch durchgeführt wird. Die Universität Hamburg und das Mittelstand-Digital Zentrum Fokus Mensch agieren dabei anbieterneutral.

Wie sind die Daten zu interpretieren?

Die Trefferanzahl bezieht sich auf die Anzahl von Dokumenten, in denen der Suchbegriff mindestens einmal erwähnt wird. Das Fehlen von Treffern kann technische Gründe haben. Etwa, weil die Website nicht vollständig erfasst wurde. Auch hängt von der konkreten Fragestellung ab, welche Organisationen relevant sind. Websites mit einer großen Trefferanzahl sind meist Foren oder Blogs, weil diese viele Unterseiten haben. Auf diesen liegt jedoch nicht automatisch der Fokus der Analyse. Das Hervorheben einer Organisationen begründet sich deshalb aus der Trefferanzahl und der spezifischen Fragestellung. Die Kreisgröße ist in der Darstellung log-Skaliert.

Literatur

DiMaggio, Paul J., und Walter W. Powell. 1983. „The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in Organizational Fields“. American Sociological Review 48 (2): 147. https://doi.org/10.2307/2095101.

Kastl, Jörg Michael. 2017. Einführung in die Soziologie der Behinderung. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-04053-6 

Oberg, Achim, Walter W. Powell, und Tino Schöllhorn. 2022. „Representations of Self in the Digital Public Sphere: The Field of Social Impact Analyzed Through Relational and Discursive Moves“. In Research in the Sociology of Organizations, herausgegeben von Thomas Gegenhuber, Danielle Logue, C.R. (Bob) Hinings, und Michael Barrett, 167–96. Emerald Publishing Limited. https://doi.org/10.1108/S0733-558X20220000083007.

Powell, Walter W., und Achim Oberg. 2017. „Networks and Institutions“. In The SAGE Handbook of Organizational Institutionalism, herausgegeben von Royston Greenwood, Renate E. Meyer, und Thomas B. Lawrence, 446–73. SAGE Publications Ltd. https://www.torrossa.com/en/resources/an/5018766.

 
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Das Mittelstand-Digital Netzwerk bietet mit den Mittelstand-Digital Zentren und der Initiative IT-Sicherheit in der Wirtschaft umfassende Unterstützung bei der Digitalisierung. Kleine und mittlere Unternehmen profitieren von konkreten Praxisbeispielen und passgenauen, anbieterneutralen Angeboten zur Qualifikation und IT-Sicherheit. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ermöglicht die kostenfreie Nutzung der Angebote von Mittelstand-Digital. Weitere Informationen finden Sie unter www.mittelstand-digital.de.