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Der menschzentrierte Gestaltungsprozess liefert den theoretischen Ansatz, um digitale Anwendungen zu entwickeln, die sich einfach und intuitiv nutzen lassen, also eine gute Usability haben. Doch wie setzt man ihn konkret um? In unserer vierteiligen Artikelserie geben wir in den nächsten Wochen Einblick in ein Projekt unserer Initiative, in dem wir die Interaktionsarchitektur eines Tools für unsere Website entwickelt haben. Schritt für Schritt zeigen wir, wie wir dabei vorgegangen sind – inklusive Erfahrungen, Herausforderungen und konkreter Tipps. Im ersten Teil stellen wir das Tool TREX vor und zeigen, wie wir uns im Rahmen der initialen Analysephase mit dem Nutzungskontext sowie den Nutzerinnen und Nutzern beschäftigt haben, um die Grundlage für eine intuitive Nutzung zu schaffen.

Online-Shops, Social-Media-Plattformen oder Textmessenger. Es gibt viele digitale Lösungen, die Personen oft schon bei der ersten Verwendung intuitiv nutzen können und mit denen sie ohne größere Umwege ihre Ziele erreichen. Diese Lösungen haben eine gute Usability, sind also „gebrauchstauglich“. Ein Grund hierfür ist, dass diese Lösungen auf bekannte und etablierte Interaktionsarchitekturen, -elemente und -gesten zurückgreifen. So werden inzwischen beispielsweise sogenannte Hamburger-Menüs (drei kurze horizontal verlaufende Linien ()), in zahlreichen Anwendungen genutzt, um auf ein verstecktes Menü hinzuweisen, das sich durch einen Klick öffnen lässt. Weit verbreitet sind auch Wischgesten, auch als „Swipen“ bekannt, die es in der Horizontalen beispielsweise ermöglichen, zwischen Inhalten (z. B. verschiedenen Produktfotos in Onlineshops) zu wechseln. Ein weiterer häufiger Grund, weshalb diese Lösungen einfach zu nutzen sind, ist, dass es viele vergleichbare Produkte gibt und die Personen, die diese nutzen, hierdurch bereits Vorerfahrungen haben, auf die sie zurückgreifen können: Wer heute etwas online bestellt, hat sicherlich schon einige Male zuvor über eine digitale Plattform Produkte ausgesucht, begutachtet, miteinander verglichen, in einen virtuellen Warenkorb gelegt, seine persönlichen Daten angegeben und die Bestellung digital bezahlt.

Dies kann den Eindruck erwecken, dass es bei der Entwicklung einer neuen digitalen Lösung ausreicht, bewährte und etablierte Interaktionsarchitekturen über eine Art Baukastensystem von Interaktionselementen und -gesten nachzubauen und damit automatisch eine gute Usability erzielt. Doch dies ist ein Trugschluss, denn um eine digitale Lösung zu gestalten, die intuitiv nutzbar ist, ist es immer notwendig, die spezifischen Merkmale des Kontexts der Nutzung, der Nutzerinnen und Nutzer sowie der Ziele, die diese bei der Nutzung verfolgen, zu betrachten und zu berücksichtigen. All diese Perspektiven werden in der Nutzungskontextanalyse systematisch adressiert. Fragen, die man in diesem Zusammenhang stellen sollte, sind beispielsweise solche wie:

  • Physischer, sozialer und organisationaler Nutzungskontext: Wird die Anwendung vorrangig unterwegs auf dem Smartphone aufgerufen oder eher an einem Schreibtisch mit einem Laptop verwendet? Sind die Nutzerinnen und Nutzer bei der Verwendung von Ablenkungen umgeben und stehen unter Zeitdruck oder haben sie viel Zeit und Ruhe?
  • Nutzerinnen und Nutzer: Wird die Anwendung vor allem von technisch erfahrenen oder unerfahrenen Personen genutzt? Haben die Nutzerinnen und Nutzer Einschränkungen, die relevant sein könnten, beispielsweise beim Sehen? Wie stehen die Nutzerinnen und Nutzer zu Themen wie Privatsphäre und sind sie dazu bereit, sich bei der Anwendung über ihre Telefonnummer zu verifizieren?
  • Ziele der Nutzung: Müssen die Nutzerinnen und Nutzer ein Kundenkonto anlegen, um die Anwendung zu nutzen? Was sind die einzelnen Schritte, die sie durchlaufen müssen, um an ihr Ziel zu gelangen?

Besonders bei digitalen Lösungen, die sehr innovativ sind und bei denen es bislang kaum vergleichbare Produkte gibt, ist es wichtig, sich gründlich mit all diesen Fragen auseinanderzusetzen, um diese Information bei der Entwicklung konsequent miteinzubeziehen. Aber auch bei bestehenden digitalen Anwendungen ist es wichtig, sich kontinuierlich mit dem Nutzungskontext auseinanderzusetzen. Sonst kann es schnell passieren, dass die Anwendung von den Nutzerinnen und Nutzern, die eigentlich die Zielgruppe darstellen sollten, gar nicht genutzt wird, weil beispielsweise Vorkenntnisse erforderlich sind oder sie bestimmtes technisches Equipment benötigen, über das dieser Personenkreis in der Regel nicht verfügt.

Vor einigen Monaten standen wir vom Mittelstand-Digital Zentrum Fokus Mensch an dem Punkt, dass wir ein neues Tool mit hohem innovativem Charakter auf der Website implementieren wollten. Die Produktidee und technische Umsetzung waren bereits klar. Dann ging es aber darum, das Tool optimal an die Anforderungen und Bedarfe der Zielgruppe anzupassen. Wie wir dabei vorgegangen sind, was wir dabei gelernt haben und welches Ergebnis wir erarbeitet haben, können Sie in dieser vierteiligen Artikelserie nachverfolgen.

In diesem ersten Beitrag geht es darum, für welches neue Tool wir die Interaktionsarchitektur entwickelt haben. Außerdem stellen wir die ersten Schritte vor, die wir zur menschzentrierten Ausrichtung des Tools durchlaufen haben. 


Das neue digitale Tool “TREX”

Bei dem neuen Tool unserer Website, das im Kern des Best-Practices dieser Artikelserie stehen wird, handelt es sich um „TREX“, den Trendexplorer. Im Mittelstand-Digitalzentrum Fokus Mensch erfassen wir regelmäßig die Websites von Unternehmen, Fachzeitschriften oder Verbänden, die sich mit Themen rund um Digitalisierung in Deutschland beschäftigen. Dabei verlinken Unternehmen auf ihren Websites auf Verbände, Verbände listen Fachzeitschriften und Fachzeitschriften wiederum verlinken Unternehmen. Aus diesen Verlinkungen entsteht ein Netzwerk dieser Organisationen – das sogenannte organisationale Feld der deutschen IT-Branche. TREX stellt dieses Netzwerk dar und macht es durchsuchbar: Ihre Website ist im Datensatz gelistet? Dann sehen Sie, wie Sie im WWW Ihrer Branche verlinkt sind. Neben den Verlinkungen nutzen wir beim Digitalzentrum Fokus-Mensch noch die Textdaten der Websites. So suchen wir nach Schlagwörtern, die ein Thema erfassen. Etwa „künstliche Intelligenz“ für KI oder „sauberer Strom“ für das Nachhaltigkeitsziel 7 der Vereinten Nationen. Welche Organisationen auf ihren Websites über diese Themen sprechen und diese Schlagwörter verwenden sowie wie die Verwendung im Netzwerk der Organisationen verbreitet ist, macht TREX sichtbar. Dabei können voreingestellte Analysen zu den Themen ausgewählt und zusätzlich über die Zeit verglichen werden. Wer spricht noch über Nachhaltigkeit und wie hat sich die Verbreitung der Suchworte „KI-Agenten“ über die Zeit verändert? Diese Fragen können durch TREX beantwortet werden.


Die Analyse des Nutzungskontexts

Im ersten Schritt der Entwicklung der Interaktionsarchitektur von TREX haben wir uns mit dessen Nutzungskontext auseinandergesetzt. Auf einem virtuellen Whiteboard haben wir uns in einem interdisziplinären Team aus Mitarbeitenden des Mittelstand-Digital Zentrums Fokus Mensch Fragen zu den oben aufgeführten Aspekten des Nutzungskontexts gestellt.

Die Grundlage hierfür bildeten Interviews, die wir mit potenziellen Nutzerinnen und Nutzern des Tools geführt haben. Das Ziel war es, zu ermitteln, wie die Datensammlung aufbereitet werden muss, um Unternehmen von Nutzen zu sein. Deshalb sprachen wir mit Vertreterinnen und Vertretern kleiner Unternehmen, die einen Bezug zu Digitalisierung und der IT-Branche haben. Wir haben sie zuerst gefragt, wie sie die Verbreitung bestimmter Themen in ihrer Branche recherchieren und welche Bedeutung aktuelle Trends für sie haben. Die Antworten waren einstimmig: Vieles lief über Hörensagen dank der Vernetzung in der eigenen Branche. Einen systematischen Überblick gab es jedoch nicht. In einem zweiten Schritt begannen wir den Prototype von TREX vorzustellen. Gemeinsam mit den Interviewten haben wir dann Schlagwörter abgeleitet, die für das Unternehmen von besonderem Interesse waren und die Verbreitung im organisationalen Feld analysiert. Daraus entwickelte sich Gespräche, wie die visuellen Ansichten zu interpretieren sei, an welcher Stelle Details gewünscht wurden, was verständlich war und was nicht. Daraus leiteten wir ab, auf welche Features der Fokus gelegt werden sollte und was es grundlegend brauchte, um den Mehrwert der Daten zu verstehen. Das Zwischenfazit: Wurde einmal die Grundidee des Datensatzes vermittelt, entstanden interessante und tiefe Gespräche.

Als Nutzerinnen- und Nutzergruppen haben wir für TREX den Mittelstand, Projekt-Stakeholder sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler identifiziert und es wurde deutlich, dass TREX eine webbasierte Anwendung ist, die idealerweise mit Desktop-PCs, Laptops oder Tablets genutzt wird. Die Haupteinsatzbereiche von TREX sind überall dort, wo es eines Überblick über die deutsche Digitalbranche bedarf. Das beginnt bereits bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von kleinen und mittleren Unternehmen, die sich an anderen Organisationen orientieren und ermitteln wollen, wie diese sich in Bezug auf ein bestimmtes Thema oder ein Schlagwort verhalten und wie sie dessen Bedeutung verstehen. Dadurch können sie Unsicherheiten abbauen und in ihrer Sprache präziser werden. Zusätzlich können sie potentielle Kooperationspartner ausmachen und sehen, wer mit wem im Netz vernetzt ist. TREX ist ebenso interessant für all diejenigen, die Fragen der Kommunikation oder der Vernetzung zu ihrem Beruf gemacht haben: Agenturen, Verbände oder Institute können ihren professionellen Blick dank der datenbasierte Evidenz des TREX weiter schärfen.

Mit den Interviews und der Analyse des Nutzungskontexts (siehe Foto “Nutzungskontextanalyse zu TREX”) haben wir eine solide Grundlage für unsere weiteren Schritte bei der Entwicklung der Interaktionsarchitektur geschaffen, auf die wir in den folgenden Arbeitsschritten immer wieder zurückgegriffen haben.


Ausblick auf Teil 2 der Artikelreihe

Lesen Sie im zweiten Teil unserer Artikelreihe “TREX als Best-Practice des MDZ Fokus Mensch”, wie wir das erste Konzept von TREX weiterentwickelt haben. Außerdem erhalten sie einen Einblick in die verschiedenen Stadien der Entwicklung, sowie das Ergebnis des Projekts.

26.05.26

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Das Mittelstand-Digital Netzwerk bietet mit den Mittelstand-Digital Zentren und der Initiative IT-Sicherheit in der Wirtschaft umfassende Unterstützung bei der Digitalisierung. Kleine und mittlere Unternehmen profitieren von konkreten Praxisbeispielen und passgenauen, anbieterneutralen Angeboten zur Qualifikation und IT-Sicherheit. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ermöglicht die kostenfreie Nutzung der Angebote von Mittelstand-Digital. Weitere Informationen finden Sie unter www.mittelstand-digital.de.