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Wissen Sie eigentlich wie viel Sie über Ihr Leben online preisgeben?

Datenschutz wird häufig als abstraktes, technisches oder juristisches Thema wahrgenommen. Dabei beginnt individueller Datenschutz nicht bei komplizierten Richtlinien, sondern im ganz normalen Alltag: beim Scrollen durch soziale Netzwerke, beim Nutzen von Schreibassistenzen oder beim schnellen Foto vom Flugticket. Viele dieser Handlungen wirken harmlos – können aber langfristige Folgen für Privatleben und Beruf haben.

Dateneinstellungen in sozialen Netzwerken: Weniger ist oft mehr

Soziale Medien wie Instagram oder LinkedIn leben davon, dass Menschen Inhalte teilen und sich vernetzen. Gleichzeitig sammeln diese Plattformen große Mengen persönlicher Daten. Profilinformationen, Kontakte, Likes, Kommentare oder Standortdaten lassen sich häufig detailliert auswerten – nicht nur von den Plattformen selbst, sondern je nach Einstellung auch von Dritten.

Gerade auf beruflichen Netzwerken werden oft sehr viele Informationen preisgegeben: Arbeitgeber, Position, Arbeitszeiten, Projektbeschreibungen oder aktuelle Aufenthaltsorte. In Kombination mit privaten Profilen entsteht schnell ein sehr genaues Bild einer Person. Individueller Datenschutz bedeutet hier, die eigenen Privatsphäre‑Einstellungen bewusst zu prüfen, die Sichtbarkeit von Beiträgen zu begrenzen und sich regelmäßig zu fragen, ob eine Information wirklich öffentlich sein muss.

Schreibassistenzen wie ChatGPT oder Copilot: Praktisch, aber nicht gedankenlos

KI‑basierte Schreibassistenzen sind aus dem Arbeitsalltag vieler Menschen kaum noch wegzudenken. Sie helfen beim Formulieren von E‑Mails, beim Strukturieren von Texten oder beim Brainstorming. Gleichzeitig werden bei ihrer Nutzung häufig sensible Informationen eingegeben – teilweise ohne darüber nachzudenken.

Problematisch wird es, wenn interne Dokumente, personenbezogene Daten, Kund:inneninformationen oder vertrauliche Geschäftsinhalte in solche Tools kopiert werden. Auch wenn viele Anbieter Schutzmaßnahmen implementieren, gilt grundsätzlich: Alles, was eingegeben wird, sollte als potenziell sensibel betrachtet werden. Individueller Datenschutz heißt hier, bewusst abzuwägen, welche Informationen sich für KI‑Unterstützung eignen und welche nicht.

Private Geräte für die Arbeit: Ein oft unterschätztes Risiko

Viele Menschen nutzen ihren privaten Laptop oder ihr Smartphone auch für berufliche Zwecke – sei es im Homeoffice, beim E‑Mail‑Abruf oder für Videokonferenzen. Gerade hier zeigt sich, wie eng individueller Datenschutz und IT‑Sicherheit zusammenhängen.

Ein aktueller Virenscanner, regelmäßige Updates und grundlegende Schutzmaßnahmen sind essenziell, um Schadsoftware oder Datenabfluss zu verhindern. Fehlen diese Schutzmechanismen, kann nicht nur die eigene Privatsphäre gefährdet sein, sondern auch sensible Arbeitsdaten. Individueller Datenschutz bedeutet in diesem Fall auch, Verantwortung für die Sicherheit der genutzten Geräte zu übernehmen.

Kamera- und Mikrofonberechtigungen: Kleine Symbole, große Wirkung

Viele Apps und Programme verlangen Zugriff auf Kamera und Mikrofon – oft pauschal und dauerhaft. Dies fällt im Alltag kaum auf, kann aber weitreichende Folgen haben. Unnötige Berechtigungen erhöhen das Risiko von ungewollten Aufnahmen oder der unbeabsichtigten Weitergabe sensibler Informationen.

Ein bewusster Umgang mit Datenschutz heißt, diese Berechtigungen regelmäßig zu überprüfen, Zugriffe einzuschränken und sensible Funktionen nur dann freizugeben, wenn sie tatsächlich benötigt werden. Moderne Betriebssysteme bieten hierfür übersichtliche Einstellmöglichkeiten, werden aber nur selten genutzt.

Fotos posten: Wenn Bilder mehr verraten als gedacht

Ein kurzer Post in den sozialen Medien, ein Foto nach dem Urlaub oder ein spontaner Schnappschuss aus dem Alltag können unbeabsichtigt hochsensible Informationen enthalten. Fotos von Personalausweisen, Fahrkarten, Flugtickets oder offiziellen Dokumenten werden häufig geteilt, ohne die Risiken zu bedenken.

Solche Bilder enthalten oft Namen, Geburtsdaten, Buchungsnummern oder QR‑Codes, die missbraucht werden können. Aber auch scheinbar harmlose Fotos verraten durch Details im Hintergrund Aufenthaltsorte, Tagesabläufe oder Beziehungen. Individueller Datenschutz bedeutet deshalb auch, vor dem Posten kurz innezuhalten und zu prüfen, was ein Bild über die eigene Person preisgibt.

Datenschutz beginnt bei Aufmerksamkeit

Individueller Datenschutz ist kein Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess. Er erfordert Aufmerksamkeit, Reflexion und die Bereitschaft, eigene Gewohnheiten zu hinterfragen. Nicht jede App‑Funktion muss genutzt, nicht jede Information geteilt und nicht jede Technik bedenkenlos eingesetzt werden.

Wer sich seiner digitalen Spuren bewusst ist, stärkt nicht nur den Schutz der eigenen Daten, sondern auch die digitale Souveränität insgesamt. Datenschutz heißt dabei nicht Verzicht, sondern informierte Entscheidungen im digitalen Alltag.

26.01.26

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Michelle Walther

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