Der Schatz: Daten.
Doch ein Schatz nützt wenig, wenn niemand ihn heben kann. Genau hier liegt das Problem. Viele kleine und mittlere Unternehmen haben wertvolle Daten. Aber oft fehlen Zeit, Spezialwissen oder passende Werkzeuge, um daraus klare Erkenntnisse zu gewinnen.
Ein Diagramm allein löst dieses Problem selten. Es zeigt eine Zahl, eine Kurve, einen Balken. Aber es erklärt nicht automatisch, warum etwas passiert ist, was es bedeutet und was als Nächstes zu tun ist. Dafür braucht es Geschichten. Nicht Geschichten im Sinne von Ausschmückung. Sondern Geschichten im besten geschäftlichen Sinn: eine klare Erklärung, die die Daten in Zusammenhang bringt. Sie zeigt, was wichtig ist, warum es wichtig ist und welche Handlung daraus folgt.
Genau das meint Data Storytelling.
Was Data Storytelling leistet
Data Storytelling verbindet drei Dinge: Daten, Visualisierungen und Sprache.
Ein klassisches Dashboard zeigt zum Beispiel: Der Umsatz in Region Süd ist im dritten Quartal gesunken. Eine gute Data Story geht weiter. Sie fragt: Seit wann sinkt er? Betrifft es alle Produkte oder nur eine Linie? Gibt es einen Zusammenhang mit Lieferzeiten, Preisen oder Personalwechseln? Was sollte der Vertrieb jetzt prüfen?
Für den Mittelstand ist das besonders wichtig. Denn hier liegen Wissen und Verantwortung oft nah beieinander. Vertriebler kennen die Kunden. Die Produktionsleiterin kennt die Engpässe. Die Logistiker kennen die Lieferprobleme. Doch diese Menschen sind nicht immer Datenanalysten.
KI als Brücke zwischen Fachwissen und Daten
Unsere Forschung mit dem Tool StoryPoint setzt genau an dieser Stelle an. StoryPoint nutzt generative KI, um Fachkräften den Umgang mit Daten zu erleichtern. Die Idee ist einfach: Wer eine Frage an Daten hat, soll nicht zuerst ein komplexes Analysewerkzeug lernen müssen. Stattdessen kann eine Mitarbeiterin in natürlicher Sprache schreiben:
„Zeige mir die Umsatzentwicklung nach Regionen.“ oder: „Vergleiche die Lieferzeiten der letzten sechs Monate.“
Das System schlägt passende Diagramme vor. Es erstellt erklärende Texte. Es hilft, eine verständliche Geschichte aus den Daten zu bauen. Das ist mehr als Bequemlichkeit. Denn die Nutzenden sehen nicht nur ein Ergebnis. Sie lernen Schritt für Schritt, welche Darstellungen zu welchen Fragen passen. Sie erkennen Muster. Sie stellen bessere Anschlussfragen. Ihre Datenkompetenz wächst während der Arbeit.
Warum Kontext wichtiger ist als ein schönes Diagramm
Viele Unternehmen investieren in Dashboards. Das ist sinnvoll. Aber Dashboards haben eine Grenze. Sie zeigen meist, was gerade ist. Sie erklären nicht immer, warum es so ist. Ein Balkendiagramm kann sauber aussehen und trotzdem wenig bewirken. Erst der Kontext macht es nützlich.
StoryPoint erzeugt deshalb nicht nur Visualisierungen, sondern auch Erklärungen. Diese Erklärungen können auf Unternehmensziele, Zielgruppen und Fragestellungen zugeschnitten werden. Ein Bericht für die Geschäftsführung braucht eine andere Sprache als eine Präsentation für das Vertriebsteam. Eine Produktionsanalyse muss andere Fragen beantworten als ein Marketingrückblick. Gute Data Stories machen diesen Unterschied sichtbar. Sie ordnen Daten ein. Sie zeigen Zusammenhänge. Sie machen Annahmen transparent. Und sie helfen Teams, über dieselbe Sache zu sprechen.
Aus Berichten werden Gespräche
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Austausch. In vielen Unternehmen sind Berichte Einbahnstraßen. Jemand erstellt eine Präsentation. Andere hören zu. Am Ende bleiben Fragen offen, die später vielleicht per E-Mail geklärt werden.
Mit Funktionen wie AskData wird dieser Prozess interaktiver. Das Publikum kann während einer Präsentation eigene Fragen an die Daten stellen und direkt Antworten erhalten. Das verändert die Rolle eines Berichts. Er ist nicht mehr nur ein Dokument. Er wird zu einem gemeinsamen Arbeitsraum. Für das Wissensmanagement ist das entscheidend. Wissen entsteht nicht allein dadurch, dass Informationen gespeichert werden. Wissen entsteht, wenn Menschen Informationen verstehen, einordnen und anwenden.
Was der Mittelstand davon hat
Unsere Evaluation zeigt einen klaren praktischen Nutzen: Mit KI-Unterstützung konnten Fachanwender Data Stories mehr als 50 Prozent schneller erstellen als mit herkömmlichen Methoden. Die erstellten Geschichten wurden zudem als klarer, vertrauenswürdiger und professioneller bewertet.
Ein gutes KI-gestütztes Data-Storytelling-System spart Zeit. Es senkt die Einstiegshürde. Es macht Wissen teilbar. Und es stärkt die Entscheidungskompetenz dort, wo Entscheidungen tatsächlich vorbereitet und getroffen werden: in den Fachbereichen.
Wenn Fachkräfte ihre eigenen Datengeschichten erzählen, verändert sich die Datenkultur. Daten bleiben nicht länger Sache weniger Spezialisten. Sie werden Teil des täglichen Lernens, Planens und Entscheidens. Gerade kleinere Organisationen leben von Erfahrung, Nähe zum Geschäft und schnellen Entscheidungen. KI-gestütztes Data Storytelling verbindet diese Stärken mit datenbasierter Analyse.
StoryPoint wurde deshalb als Open Source entwickelt. Es soll den Zugang zu dieser Technologie erleichtern und Unternehmen dabei unterstützen, Daten verständlicher, nützlicher und handlungsorientierter einzusetzen.
Dieser Beitrag basiert auf der Forschung von Gunklach, Müller, Knäble, Mädche (2025) mit dem Titel „StoryPoint: GenAI-supported domain-specific data story authoring for enterprises“. Der wissenschaftliche Artikel dazu ist zu finden als Veröffentlichung bei ScienceDirect.
Wir stellen die Anwendung aus der Studie als Open Code Archiv in unserem GitHub bereit.
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Adrian Wegener
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