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Digitale Meetings gehören im Mittelstand längst zum Alltag. Doch während sie die Zusammenarbeit über Standorte hinweg erleichtern, hinterlassen sie oft ein Gefühl der Erschöpfung, die sogenannte „Zoom-Fatigue“. Für das Lernen am Arbeitsplatz und die Personalentwicklung ist das ein kritisches Signal: Wer mental erschöpft ist, kann neues Wissen schlechter aufnehmen und verarbeiten.

Eine aktuelle Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat mittels neurowissenschaftlicher Methoden (NeuroIS) untersucht, wie sich die mentale Arbeitsbelastung in interaktiven Remote-Meetings im Zeitverlauf verändert. Die Ergebnisse liefern wertvolle Impulse für eine gesündere und produktivere Arbeitskultur im Mittelstand.

Das Gehirn im interaktiven Dauerstress

In interaktiven Meetings müssen wir uns ständig koordinieren, die Aufmerksamkeit zwischen Sprechenden wechseln und technische Hürden sowie fehlende nonverbale Signale kompensieren. Diese mentale Arbeitsbelastung (Mental Workload) ist nicht statisch, sondern schwankt dynamisch.
Unsere Forschung zeigt hier:

  • Physiologische Spuren: Während eines 45-minütigen Meetings sinkt die Herzrate tendenziell, während bestimmte Herzratenvariabilitäts-Marker (HRV) ansteigen. Dies ist ein Zeichen für zunehmende mentale Ermüdung und eine Verschiebung im vegetativen Nervensystem. Das heißt, Zoom-Fatigue ist nicht nur mental, sondern wirkt sich auch auf den Körper aus.
  • Individuelle Belastungsgrenzen: Nicht alle Teilnehmenden haben zum gleichen Zeitpunkt Zoom-Fatigue. In der Studie gaben einige Teilnehmer erst nach etwa 30 bis 40 Minuten an, sich überlastet zu fühlen, während andere stabil blieben.

Digitales Lernen im Remote-Meeting

Lernen erfordert kognitive Ressourcen. Wenn diese durch schlecht strukturierte digitale Meetings erschöpft sind, leidet die Personalweiterentwicklung. Ein „Dauer-Meeting-Tag“ blockiert die Kapazitäten, die eigentlich für kreative Problemlösungen oder das Verarbeiten neuer Informationen nötig wären.

Praxistipps für KMUs: So fördern Sie die Lernfähigkeit in Remote-Meetings

  1. Individualisierte Pausen ermöglichen: Da Überlastung individuell auftritt, sind starre Pausenregelungen für alle oft wenig effektiv. Fördern Sie eine Kultur, in der Mitarbeitende kurz „austreten“ oder die Kamera ausschalten dürfen, wenn die Konzentration nachlässt.
  2. Echte Erholung statt „Pausen-Fallen“: Die Studie deutet darauf hin, dass kurze Unterbrechungen, in denen man nur E-Mails checkt oder Fragebögen ausfüllt, keine echte physiologische Erholung bringen. Eine echte Pause braucht mentale Distanz, die idealerweise durch Bewegung oder einen Raumwechsel erreicht wird.
  3. Aufgabenvielfalt im Meeting: Wechseln Sie zwischen verschiedenen Aufgabenformaten (z. B. Brainstorming, stille Dokumentation, Diskussion). Diese Variation kann helfen, einseitige Belastungen zu vermeiden und die Aufmerksamkeit hochzuhalten.
  4. Neuro-adaptive Unterstützung (Zukunftsblick): Zukünftig könnten Videokonferenzsysteme mithilfe von Wearables (wie Smartwatches) erkennen, wann ein Team erschöpft ist, und aktiv Pausen vorschlagen.

Nur wer die mentale Belastung in Meetings aktiv steuert, schafft den nötigen Freiraum für kontinuierliches Lernen und persönliche Weiterentwicklung am Arbeitsplatz.


Dieser Beitrag basiert auf der Forschung von Krisam, Seitz und Knierim (2025) mit dem Titel „When to Take a Break? Temporal Dynamics of Mental Workload in Remote Meetings - A NeuroIS Study“. Der wissenschaftliche Artikel dazu ist zu finden in der AISeLibrary.

03.03.26

Weitere Informationen

Kontakt

Adrian Wegener
  • Kaiserstraße 89-93
  • 76133 Karlsruhe

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