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Welche Qualitätsmerkmale erwarten mittelständische Unternehmen von einer guten Software und welche werden inzwischen als selbstverständlich vorausgesetzt? Die Ergebnisse der UIG-Studie II zeigen, welche zentralen Kriterien die Softwarebeschaffung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bestimmen und wie Softwarehersteller diese Anforderungen einschätzen. Dabei wird deutlich, dass nicht nur Usability und User Experience (UUX) allein, sondern auch Themen wie digitale Souveränität, IT- und Cybersicherheit sowie Cloud Computing die Anforderungen an moderne Software zunehmend prägen. Der Beitrag ordnet die Studienergebnisse ein und zeigt, warum gerade vermeintlich selbstverständliche Qualitätsmerkmale künftig weiter an Bedeutung gewinnen.

Welche Bedeutung hat Software prinzipiell für mittelständische Anwenderunternehmen? 
Die Ergebnisse der UIG-Studie II zeigten, dass Software in vielen mittelständischen Unternehmen die Grundlage zentraler Geschäftsprozesse bildete und wesentlich zur Wettbewerbsfähigkeit sowie zum Unternehmenserfolg beitrug. Fast 66 % der befragten Anwenderunternehmen stimmten der Aussage zu oder voll zu[1], dass der Einsatz von Software ein Kernbestandteil ihres Erfolgs war. Vor diesem Hintergrund überraschte es kaum, dass 53 % der Unternehmen angaben, in den vergangenen Jahren stark in Software investiert zu haben. Auch perspektivisch blieb die Investitionsbereitschaft hoch: Rund 67,5 % der Unternehmen beabsichtigten, in den kommenden Jahren weiter in Software zu investieren. Entsprechend maßen 85 % der befragten Anwenderunternehmen dem Einsatz von Softwarelösungen eine hohe bis sehr hohe strategische Bedeutung für ihren Unternehmenserfolg bei. Die Ergebnisse zeigten, dass im Mittelstand sowohl der Bedarf an qualitativ hochwertigen Softwarelösungen als auch die Bereitschaft zu weiteren Investitionen hoch waren. 

Welche Qualitätsmerkmale von Softwarelösungen überzeugen im Auswahlprozess? 
Im Rahmen der Befragung sollten die Anwenderunternehmen bis zu drei Kriterien auswählen, die für sie im Softwarebeschaffungsprozess besonders wichtig waren. Als wichtigstes Kriterium nannten die Anwenderunternehmen die Zuverlässigkeit von Software (64 %), gefolgt vom Funktionsumfang (50 %) und der Usability (49 %). Der Preis spielte mit 40% zwar ebenfalls eine wichtige Rolle, rangierte jedoch hinter diesen Merkmalen. User Experience wurde dagegen nur von 7% der Unternehmen als wichtiges Auswahlkriterium genannt. Die Ergebnisse verdeutlichten, dass KMUs vor allem in Softwarelösungen investierten, die zuverlässig funktionierten, ihre Arbeitsprozesse effektiv unterstützten und sich effizient bedienen ließen.

Wie bewerten Anwenderunternehmen ihre zuletzt angeschaffte Software?
Die Ergebnisse fielen insgesamt positiv aus. Besonders der Funktionsumfang (78 %), die Zuverlässigkeit (72 %) sowie die Sicherheit einschließlich der Zugangs- und Rechteverwaltung (knapp 70 %) wurden von den befragten Anwenderunternehmen als gut bis sehr gut bewertet. Auch die Usability wurde von 51 % der Unternehmen positiv eingeschätzt und bestätigte damit ihre Relevanz im Softwarebeschaffungsprozess. Etwas zurückhaltender fiel die Bewertung der User Experience aus: 46 % der befragten KMUs bewerteten sie als gut bis sehr gut. Gerade bei UUX wurde deutlich, dass trotz ihrer hohen Bedeutung für die Kaufentscheidung weiterhin Verbesserungspotenzial bestand. Differenzierter wurde hingegen der Preis beurteilt. Rund 65,5 % der Unternehmen wählten hier die eher neutralen Bewertungskategorien. Dies deutete darauf hin, dass die Kosten zwar bewusst wahrgenommen wurden, insgesamt jedoch als angemessen im Verhältnis zur erbrachten Leistung galten. Dies wurde dadurch gestützt, dass 73 % der Anwenderunternehmen der Aussage zustimmten oder voll zustimmten, dass sich die Investition in die angeschaffte Softwarelösung gelohnt hatte. Insgesamt zeigten die Ergebnisse, dass die angeschafften Softwarelösungen die Erwartungen der befragten Anwenderunternehmen weitgehend erfüllten. Dies sprach für eine Marktreife der Digitalbranche in Deutschland. Dazu passte auch, dass rund 80 % der KMUs ihre Software von Unternehmen mit Sitz in Deutschland bezogen.

Spielt UUX eine untergeordnete Rolle bei neuen Softwareanschaffungen?
Die zuvor dargestellten Ergebnisse könnten diesen Eindruck vermitteln. Die Clusteranalyse verdeutlichte jedoch, dass sich die befragten Anwenderunternehmen anhand ihrer Prioritäten bei der Softwareauswahl drei Clustern zuordnen ließen: Für rund ein Drittel der Unternehmen zählten UUX zu den wichtigsten Entscheidungskriterien. Ein weiteres Drittel legte den Schwerpunkt auf die Erfüllung KMU-spezifischer Anforderungen, während für das verbleibende Drittel Funktionalität und Support im Vordergrund standen. Dabei fiel auf, dass die Unterschiede zwischen den Clustern insgesamt moderat ausfielen und keine der genannten Prioritäten die übrigen Kriterien deutlich überlagerte. Es deutete sich an, dass die Bedeutung einzelner Funktionen je nach Branche der KMUs variierte. Diese Beobachtung wurde durch die Angaben der Softwarehersteller gestützt: 62 % bewerteten die Entwicklung und Implementierung von Individualsoftware als wichtig oder sehr wichtig für ihren Unternehmensumsatz. Zudem gaben knapp die Hälfte der Hersteller an, dass eine gute UUX von ihren Kunden als Kaufkriterium wahrgenommen wurde. Die Ergebnisse legten nahe, dass neben individueller Funktionalität und Performance auch eine positive Nutzungserfahrung zur Wettbewerbsdifferenzierung beitrug.

Wie wichtig ist UUX für mittelständische Anwenderunternehmen?
Wie bedeutsam UUX war, zeigte sich besonders dann, wenn sie fehlte: Fast 94 % der befragten Unternehmen sahen in Bedienungsproblemen ein mittleres bis hohes Risiko für Verzögerungen und Produktivitätseinbußen. Zudem bewerteten fast 83 % der KMUs Software mit einer hohen UUX als einen eher bis sehr wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg. Rund 71,5 % der Unternehmen nahmen darüber hinaus eine mittlere bis starke Steigerung der Produktivität durch Software mit hoher UUX wahr. Die Ergebnisse zeigten insgesamt, dass UUX aus Sicht der Anwenderunternehmen einen wesentlichen Qualitäts- und Erfolgsfaktor darstellte. Gleichzeitig wurde UUX bei der Softwarebeschaffung offenbar zunehmend als selbstverständlich vorausgesetzt und daher seltener als ausschlaggebendes Kaufkriterium genannt.

Was selbstverständlich geworden ist, gewinnt weiter an Bedeutung.
Bei der Auswahl neuer Software fiel auf, dass nur knapp 20 % der Anwenderunternehmen Sicherheit sowie Zugangs- und Rechteverwaltung als besonders wichtiges Entscheidungskriterium nannten. Gleichzeitig bewerteten nahezu 70 % diese Merkmale bei ihrer zuletzt angeschafften Software als gut bis sehr gut. Analog zu UUX könnte dies darauf hindeuten, dass Sicherheitsfunktionen von Software zunehmend als selbstverständliches Qualitätsmerkmal wahrgenommen und daher seltener explizit als Kaufkriterium genannt wurden.
Die Einschätzungen zu künftigen Entwicklungen differenzierten diese Annahme. Die zugrunde liegenden Daten stammten aus der UIG-Studie II, die zwischen Mitte November 2022 und Ende Februar 2023 erhoben wurden. Sie spiegelten damit die damalige Perspektive der befragten Softwarehersteller und Anwenderunternehmen auf die Entwicklungen der kommenden fünf Jahre wider. Bei den Themen Blockchain und dezentraler Datenspeicherung, die als Technologien zur Förderung digitaler Souveränität gelten (Merlec & In 2024), waren sich die Softwarehersteller uneinig. Rund 46 % erwarteten eine steigende Bedeutung, 15 % gingen von einer gleichbleibenden Entwicklung aus und knapp 39 % rechneten mit einer abnehmenden Relevanz. Die Einschätzungen der Anwenderunternehmen unterschieden sich deutlich. Hier erwarteten rund 71 % eine wachsende Bedeutung, während nur 12 % von einer sinkenden Relevanz ausgingen. Der hohe Anteil von 29 % fehlenden Angaben deutete zudem darauf hin, dass Blockchain und dezentrale Datenspeicherung für einen Teil der Anwenderunternehmen damals noch schwer einzuordnen waren oder bislang keine unmittelbare strategische Relevanz besaßen. Während die zukünftige Bedeutung einzelner Technologien digitaler Souveränität unterschiedlich eingeschätzt wurde, bestand beim Cloud Computing weitgehend Einigkeit über dessen wachsende Relevanz. Bei der Frage nach der Entwicklung des Cloud Computing gaben rund 93 % der Softwarehersteller und 84 % der Anwenderunternehmen an, dass Cloud Computing in den kommenden fünf Jahren weiter an Bedeutung gewinnen würde.

Wachsende Anforderungen an digitaler Sicherheit und Souveränität.
Mit der zunehmenden Verlagerung von Daten und Anwendungen in Cloud-Infrastrukturen gewinnt zugleich die digitale Souveränität von Unternehmen weiter an Bedeutung (Seifried & Bertschek 2021). IT- und Cybersicherheit sowie eine wirksame Zugangs- und Rechteverwaltung (Identity & Access Management (IAM)) bilden dabei grundlegende Voraussetzungen für die sichere und souveräne Nutzung digitaler Infrastrukturen (Glöckler et al. 2024). Insgesamt legen die Ergebnisse nahe, dass IT- und Cybersicherheit sowie IAM künftig nicht an Bedeutung verlieren, sondern vielmehr als selbstverständliche Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz neuer Technologien verstanden werden. Neben öffentlichkeitswirksamen Cyberangriffen und zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten rückte insbesondere die wachsende Abhängigkeit Deutschlands und Europas von wenigen außereuropäischen Anbietern digitaler Technologien, darunter insbesondere KI-, Cloud- und Plattformanbieter, die Bedeutung digitaler Souveränität verstärkt in den Vordergrund (Erdsiek et al. 2024). Vor diesem Hintergrund kommt Softwareherstellern eine zentrale Rolle zu, da sie mit ihren Produkten die technischen Grundlagen schaffen, auf denen mittelständische Unternehmen ihre digitale Souveränität aufbauen und absichern können.
Die Ergebnisse der UIG-Studie II legten nahe, dass Technologien zur Stärkung digitaler Souveränität künftig zunehmend als grundlegende Bestandteile moderner Software verstanden würden. Darin zeigt sich eine Parallele zu UUX: Beide verlieren mit zunehmender Etablierung ihre Sichtbarkeit als eigenständiges Qualitätsmerkmal und werden stattdessen als selbstverständliche Voraussetzung guter Software wahrgenommen. Anders als bei UUX wird diese Entwicklung jedoch voraussichtlich nicht primär auf der Reife des Softwareangebots beruhen. Vielmehr dürfte sie vor allem durch regulatorische Anforderungen und steigende Sicherheitsanforderungen im Zuge der wachsenden Abhängigkeit von wenigen, überwiegend außereuropäischen Technologieanbietern geprägt werden.

Die UIG-Studie II
Die vorliegenden Ergebnisse basieren auf der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderten UIG-Studie II, die den Stellenwert von Usability und User Experience (UUX) bei Softwareherstellern sowie mittelständischen Anwenderunternehmen untersucht. Aufbauend auf der UIG-Studie I von 2011 wurde die Untersuchung zwischen Mitte November 2022 und Ende Februar 2023 repliziert, um zu analysieren, wie sich die Bedeutung von UUX, der Einsatz entsprechender Methoden und die organisatorische Verankerung des Themas vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung und veränderter Nutzeranforderungen entwickelt haben.

 

Literaturverzeichnis 

Erdsiek, Daniel, Robin Sack, Irene Bertschek, Patrick Breithaupt, Thomas Niebel, Bettina Schuck, und Elsa Stenzhorn. 2024. Digitale Souveränität: Herausforderungen aus Sicht der Unternehmen. Berlin: ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung.

Glöckler, Jana, Johannes Sedlmeir, Muriel Frank, und Gilbert Fridgen. 2024. „A Systematic Review of Identity and Access Management Requirements in Enterprises and Potential Contributions of Self-Sovereign Identity“. Business & Information Systems Engineering 66(4):421–40. doi:10.1007/s12599-023-00830-x.

Merlec, Mpyana Mwamba, Hoh Peter In. 2024. „Blockchain-Based Decentralized Storage Systems for Sustainable Data Self-Sovereignty: A Comparative Study“. Sustainability 16(17):7671. doi:10.3390/su16177671.

Seifried, Mareike, Irene Bertschek. 2021. Schwerpunktstudie Digitale Souveränität. herausgegeben von Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Berlin: ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung.

Wruk, Dominika, Thore Kugolowski, Daniel Gotthardt, und Achim Oberg. 2023. UIG-Studie II: User Experience als Wettbewerbsfaktor: Entwicklung, Institutionalisierung und Wirkung von UUX in Deutschland. Hamburg: Universität Hamburg; Institut für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim.

 

 


[1] Die in diesem Artikel berücksichtigten Angaben wurden, mit Ausnahme der Auswahl von Kriterien im Softwarebeschaffungsprozess sowie der Angaben zum Sitz des Herstellers, mittels einer siebenstufigen Likert-Skala erhoben. Die Endpunkte (1 und 7) und der Skalenmittelpunkt (4) waren jeweils mit themenspezifischen Labels beschriftet.

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Das Mittelstand-Digital Netzwerk bietet mit den Mittelstand-Digital Zentren und der Initiative IT-Sicherheit in der Wirtschaft umfassende Unterstützung bei der Digitalisierung. Kleine und mittlere Unternehmen profitieren von konkreten Praxisbeispielen und passgenauen, anbieterneutralen Angeboten zur Qualifikation und IT-Sicherheit. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ermöglicht die kostenfreie Nutzung der Angebote von Mittelstand-Digital. Weitere Informationen finden Sie unter www.mittelstand-digital.de.