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Im zweiten Teil unserer Blogartikel-Serie widmen wir uns Energiearmut und den Betroffenen von fehlender Energiegerechtigkeit.

Was ist eigentlich Energiearmut? Es gibt keine global, einheitlich akzeptierte Definition, was genau Energiearmut (engl. Energy Poverty) ausmacht. Ein paar Aspekte, auf die sich die meisten Forschenden einigen können, sind folgende:

  • Ein Haushalt hat nicht die materiell und sozial erforderlichen energiebezogenen Dienstleistungen, wie z.B. Teilnahme an digitalen Lernangeboten, angemessene Raumbeheizung oder die Ausstattung mit elektrischen Koch- und Leuchtmitteln [1]
    • Das kann an „Zugang“, „Bezahlbarkeit“ oder einer Kombination liegen
  • Individuelle Ziele können durch Energiearmut nicht erreicht, Bedürfnisse nicht befriedigt werden [2]
  • Es gibt Auswirkungen auf gesellschaftlicher Ebene: Bemühungen zur Geschlechtergleichheit, angemessene Gesundheitsversorgung, Bildung und Wirtschaftswachstum werden gehemmt [3]

Und wer ist betroffen? Prinzipiell kann Energiearmut jeden treffen, aber einige Personengruppen sind besonders gefährdet oder leiden besonders stark darunter, sollten sie betroffen sein. Darunter fallen zum Beispiel Personen die mehr Zeit zuhause verbringen, wie Rentner oder Arbeitslose und Personengruppen mit erhöhten Energiebedürfnissen, wie Haushalte mit Kindern oder Menschen mit Behinderung bzw. chronischen Krankheiten. Insbesondere alleinerziehende Mütter und Familien, die aufgrund von Migrationshintergrund mit Sprachbarrieren zu kämpfen haben, sind anfällig für Energiearmut und ihre Konsequenzen. [1]

Warum wird dagegen nichts getan? Nun, ganz so einfach ist das leider nicht. Haushalte, die von Energiearmut betroffen sind, stecken häufig in einem Teufelskreis fest: geringeres Haushaltsvermögen nach Zahlung der Energiekosten erschwert Investitionen in effizientere Geräte und Stromversorgungen oder macht diese gänzlich unmöglich [9]. Dadurch bleiben die höheren Energiekosten, was wiederum für geringeres Restvermögen sorgt.
Darüber hinaus sind sich Gesetzgeber und Forschende in verschiedenen Kontexten nicht ganz einig, was Energiearmut eigentlich genau ist und wie man sie misst – geschweige denn, wie man dagegen angehen kann. Moderne Formen von Energiebezug und -teilhabe können zwar dabei helfen, günstige alternative Stromanbieter zu finden oder selbst Energieproduzent zu werden – allerdings nur, wenn sie mit besonderer Rücksicht auf die gefährdeten Gruppen geplant werden. [4]

Wird darauf nicht geachtet können zu hohe Einstiegshürden, wie Mitgliedsbeiträge oder Minimalinvestitionen, die Teilhabe dieser Personengruppen erschweren. Bei Planung unter Einbezug der verwundbaren Gruppen und lokaler Gegebenheiten – sowie Berücksichtigung der Gerechtigkeitsfaktoren [siehe Teil 1 der Blogbeitragsserie] können erneuerbare Energiegemeinschaften aber eine Lösung sein. [4]

Hinweis: Personen, die ihre Perspektive zu Energiegemeinschaften und Fragen der Gerechtigkeit einbringen möchten, können gern an der Befragung unseres Projektpartners TU Chemnitz teilnehmen: https://ebere-projekt.de/Befragung. Besonders willkommen sind dabei auch Personen, denen wenig finanzielle Mittel für ihre Energieversorgung zur Verfügung stehen. Für das Ausfüllen der Befragung kann man an einer Verlosung von 1 x 50€, 2 x 30€ und 3 x 20€ teilnehmen.

 

[1] https://gupea.ub.gu.se/handle/2077/77603

[2]https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378778818313756?casa_token=nlKh6aBpuncAAAAA:1RLtkj-IIm-IStAmvyQYqHHLzznajSVarQPTvL9oFA4bf1Y8QIURxJYJRdzZuBgTqAtWRIgC

[3] https://www.taylorfrancis.com/chapters/edit/10.4324/9781003000976-13/divided-still-stand-philipp-biermann    

[4] https://www.frontiersin.org/journals/sustainable-cities/articles/10.3389/frsc.2022.1005065/full

 

 

24.06.26

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