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Nachhaltige Entscheidungen hängen nicht nur von Informationen ab, sondern davon, wie verständlich diese aufbereitet sind. Am Beispiel des EU-Energielabels zeigt der Beitrag, warum Informationen häufig missverstanden werden und welche Rolle verständliche Kommunikation für nachhaltige Transformation und den Unternehmenserfolg spielt.

Ob im Online-Shop, in einem Kundenportal, an einer Maschine oder in einer App: Unternehmen stellen ihren Kundinnen und Kunden täglich Informationen zur Verfügung, auf deren Basis Entscheidungen getroffen werden. Doch die bloße Bereitstellung von Informationen allein reicht nicht aus. Wenn Inhalte zu komplex, unübersichtlich oder missverständlich dargestellt sind, werden sie oft nicht, oder nicht korrekt, verstanden. Das beeinflusst Orientierung, Vertrauen sowie Kauf- und Nutzungsentscheidungen. 

Gerade im Kontext der nachhaltigen Transformation kommt verständlicher Informationsgestaltung eine zentrale Rolle zu. Nachhaltige Entscheidungen sind nicht allein das Ergebnis technischer Innovationen, sondern setzen voraus, dass Menschen begleitende Informationen schnell erfassen und intuitiv nutzen können. Werden Inhalte missverständlich dargestellt oder setzt ihr Verständnis zu viel Vorwissen voraus, bleiben nachhaltige Potenziale im Alltag häufig ungenutzt.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen wird verständliche Informationsgestaltung damit zu einem wichtigen Baustein nachhaltiger Transformation. Denn nachhaltige Innovationen entfalten ihren Nutzen erst dann umfassend, wenn Menschen sie im Alltag zielgerichtet anwenden können. 

 

Das EU-Energielabel als Praxisbeispiel

Ein anschauliches Beispiel dafür ist das EU-Energielabel. Es soll Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen, Produkte schnell zu vergleichen und energieeffiziente Kaufentscheidungen zu treffen. Dadurch können langfristig Ressourcen und Kosten eingespart sowie nachhaltigere Technologien gefördert werden.

Besonders auffällig ist die farbige Skala, die Geräte von energieeffizient bis ineffizient einordnet. Die Klasse A ist grün gekennzeichnet und steht für besonders energieeffiziente Geräte, während die Klasse G rot markiert ist und eine geringere Effizienz signalisiert. Ergänzt wird das Label durch weitere gerätespezifische Symbole und Kennzahlen, etwa zum Energie- oder Wasserverbrauch.

Seit 2021 wird das EU-Energielabel schrittweise für verschiedene Produktgruppen reformiert. Die früheren Klassen wie A+, A++ oder A+++ galten vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern als schwer verständlich und machten den Vergleich von Produkten zunehmend kompliziert. Mit der Rückkehr zur Skala von A bis G soll das Label wieder intuitiver und übersichtlicher werden.

Die Abbildung zeigt den Vergleich zwischen altem und neuem Energielabel.

 

Vergleich zwischen altem und neuem EU-Energielabel

 

 

Informationen werden trotzdem missverstanden

Wie verständlich das reformierte EU-Energielabel tatsächlich ist, untersuchten wir in einer empirischen Studie. Dabei wurde analysiert, wie Nutzerinnen und Nutzer das Energielabel wahrnehmen und interpretieren. 45 Teilnehmende bearbeiteten unter realitätsnahen Bedingungen verschiedene Aufgaben zur Nutzung verschiedener Programme einer Waschmaschine, bevor wir sie zum reformierten EU-Energielabel befragten. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Informationen häufig nur selektiv verarbeitet werden: Während die farbige Effizienzskala meist schnell verstanden wird, bleiben technische Angaben und Symbole den Teilnehmenden oft unklar oder werden falsch eingeordnet. Zudem war 71% der Teilnehmenden nicht bewusst, dass sich die Verbrauchswerte ausschließlich auf das ECO-Programm beziehen. Nur 29% konnten diesen Bezug korrekt benennen, viele Teilnehmende interpretierten die Verbrauchsangaben stattdessen als allgemeine Eigenschaft des Geräts. Dadurch entstehen schnell Missverständnisse und falsche Erwartungen.

Das EU-Energielabel zeigt, dass Informationen zwar formal korrekt und vollständig sein können, aber trotzdem schwer verständlich bleiben. Entscheidend ist nicht nur, welche Informationen vorhanden sind, sondern auch, wie schnell und einfach sie erfasst werden können.

Eine hohe Informationsdichte überfordert schnell, sodass wichtige Inhalte zwischen den dargestellten Kennzahlen und Symbolen untergehen. Gleichzeitig setzen technische Angaben und Piktogramme häufig Vorwissen voraus. Werden Informationen missverstanden oder nur oberflächlich wahrgenommen, hat das direkte Konsequenzen: Orientierung geht verloren, Entscheidungen werden erschwert und nachhaltige Potenziale bleiben ungenutzt. 

 

Warum verständliche Kommunikation zum Wettbewerbsvorteil wird

Für Unternehmen bedeutet dies: Informationen müssen nicht nur verfügbar, sondern auch schnell verständlich und intuitiv nutzbar sein. Denn Unternehmen beeinflussen mit digitalen Interfaces und Informationssystemen maßgeblich, wie Informationen wahrgenommen und verstanden werden. 

Zu viele Informationen auf einmal überfordern schnell. Egal ob auf einer Website, einem analogen Flyer oder dem Display eines Gerätes: Inhalte sollten sinnvoll priorisiert und „portioniert“ werden. Im Mittelpunkt sollten nur die wichtigsten Informationen stehen. Technische Details oder Hintergrundinformationen können über ergänzende Ebenen oder durch weitere Zugänge wie etwa QR-Codes verfügbar gemacht werden. 

Auch Symbole und Daten sind nicht immer selbsterklärend. Wer Kundinnen und Kunden technische Kennzahlen präsentiert, sollte klären, welches Vorwissen zu ihrem Verständnis notwendig ist — und ob dies in der Zielgruppe tatsächlich vorhanden ist. Statt Zahlen oder Icons unkommentiert darzustellen, hilft eine kurze Einordnung direkt im Nutzungskontext. Nur wenn Informationen verständlich sind, lassen sich Missverständnisse vermeiden und nachhaltige Entscheidungen fördern.  

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen kann verständliche Kommunikation ein deutlicher Wettbewerbsvorteil sein. Nachvollziehbare digitale Angebote stärken nicht nur Vertrauen und Akzeptanz, sondern schaffen Orientierung und unterstützen nachhaltiges Verhalten im Alltag.

Das EU-Energielabel zeigt, wie stark Gestaltung die Wahrnehmung und Nutzung von Informationen beeinflusst. Nachhaltige Transformation ist deshalb nicht nur eine Frage technologischer Innovationen, sondern auch der verständlichen Kommunikation. Wer Informationen klar, nachvollziehbar und nutzerorientiert gestaltet, erleichtert nachhaltige Entscheidungen im Alltag, stärkt Vertrauen und verbessert die Nutzererfahrung langfristig. 

02.06.26

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