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Partizipatorische und repräsentative Entscheidungsfindung, öffentlicher Zugang zu Informationen und der Schutz von Grundfreiheiten. Das braucht es laut dem Nachhaltigkeitsziel 16 der UN. Was die Digitalbranche dazu leistet, thematisiert dieser Beitrag zur Verbreitung der Nachhaltigkeitsziele in der deutschen IT-Branche.

Geht es nach dem Nachhaltigkeitsziel 16 (SDG 16) der Vereinten Nationen, dann sind friedliche und inklusive Gesellschaften und Institutionen eine wichtige Bedingung, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Im Herzen des deutschen Institutionengefüges steht die liberale Demokratie. Kann vor diesem Hintergrund die deutsche Digitalbranche einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in Deutschland leisten? Dieser Frage geht der Artikel auf Basis des anbieterneutralen Datensatzes des Mittelstand-Digitalzentrums Fokus Mensch nach. Dabei zeigt die Analyse des Diskurses der IT-Branche zunächst, dass Bürgerrechte im Digitalen erhalten und eine digitale Öffentlichkeit ermöglicht werden müssen. Erst dann kann es um die Potentiale von digitalen Tools für die Demokratie gehen.

Veranstaltungshinweis

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Die Analyse hat gezeigt, dass sich das Aushandeln der liberalen Grund- und Abwehrrechte der Bürger im digitalen Raum fortsetzt. Konzepte wie der Datenschutz sowie die informationelle Selbstbestimmung sollen diese vor den Herausforderungen wie Überwachung oder Big Data schützen. Indem Unternehmen Daten schützen, sich als Hosting-Anbieter gegen Überwachung aussprechen oder andere Unternehmen bei der Umsetzung von Datenschutz unterstützen, leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Ausgestaltung von Bürgerrechten. 

Neben den Grundfreiheiten braucht Demokratie die Möglichkeit zur öffentlichen Willensbildung. Das bedeutet Zugang zu Informationen, die Teilnahme am Austausch und die Möglichkeit, sich miteinander zu verständigen, sicherzustellen – so wie es das SDG 16 fordert. Die Digitalbranche sieht im Digitalen nach wie vor viele Chancen. Trotzdem identifiziert sie auch eine Vielzahl von Herausforderungen für die digitale Öffentlichkeit.

Geht es um eine demokratische Willensbildung im Internet, sieht vor allem der netzaktivistische Bereich ähnliche Herausforderungen wie zuvor bei Privatsphäre und Datenschutz. Das Internet wird ambivalent beschrieben. Zum einen offener Ort des Austausches, zum anderen bedroht durch bspw. algorithmischer Steuerung. Trotzdem lassen sich konkrete digitale Lösungen identifizieren, die den demokratischen Prozess unterstützen können. Zum Beispiel, indem Partizipation durch digitale Plattformen, Möglichkeiten zum Abstimmen und diskursiven Austausch ermöglicht wird.

Wie in vergangenen Analysen zeigt sich, dass die Digitalbranche selbst etwas an ihren Strukturen und Funktionsweisen verändern kann, um nachhaltiger im Sinne des SDG 16 zu werden. Als neues Stichwort ist die Digitale Souveränität aufgekommen und mit ihr das Bewusstsein, dass die Verfügbarkeit über die digitale Infrastruktur ein maßgeblicher Faktor für das Gelingen demokratischer Prozesse ist. Zugleich kann sie mit ihren Produkten und Softwarelösungen vor allem zum Thema Partizipation einen wichtigen Beitrag leisten.

Hier geht es zu weiteren Informationen zur “Feldanalyse” (html).

Theoretischer Hintergrund und Methodik

Was ist ein organisationales Feld?

In der Organisationsforschung kam die Beobachtung auf, dass Organisationen mit der Zeit einander immer ähnlicher werden. Auf der Suche nach Erklärungen prägten DiMaggio & Powell (1983) das Konzept des organisationalen Feldes. Organisationen in einem solchen Feld bilden eine Gemeinschaft, interagieren öfter miteinander und teilen Normen, eine ähnliche Sprache sowie ein allgemeines Verständnis. Ein organisationales Feld bildet sich aus, wenn die Mitglieder zunehmend stärker miteinander interagieren oder sich gegenseitig wahrnehmen. Es gibt dominante Organisationen, die besonders gut vernetzt sind und mit anderen Organisationen bevorzugt zusammenarbeiten So bilden sich Koalitionen zwischen den Organisationen.

Dadurch kann man analysieren, welche Organisationen wichtig sind und die Entwicklung eines Feldes beeinflussen, undr welche Organisationen versuchen, bestehende im Feld etablierte Organisationen herauszufordern.

Wie kann man ein organisationales Feld rekonstruieren?

Eine Möglichkeit, ein organisationales Feld zu rekonstruieren, ist die Analyse von Websites der Organisationen, wie Powell & Oberg (2017) beschreiben. Auf Websites verlinken Organisationen andere Organisationen. Folgt man diesen Hyperlinks, dann ergibt sich ein Netzwerk von Organisationen. Nimmt man bei diesem Netzwerk nur die Organisationen und Links, die sich gegenseitig verlinken, ergibt dieses Netzwerk das organisationale Feld. Wird eine Organisation besonders oft verlinkt, dann kann diese Organisation sehr wichtig sein und eine hohe Reputation genießen. Verlinkt wiederum eine Organisation eine andere, dann kann sie dadurch zum Ausdruck bringen, ähnliche Ziele wie diese zu verfolgen. Verlinken sich zwei Organisationen gegenseitig, dann heißt es, dass sie sich gegenseitig wahrnehmen und sich als Akteure im Feld anerkennen. Sie verschaffen sich gegenseitig eine der wichtigsten Ressourcen, nämlich Aufmerksamkeit.

Was sagen Websites über eine Organisation aus?

Websites erfassen nicht nur, wer wen verlinkt. Sie zeigen die Themen an, die diskutiert werden. Welche Schlagwörter aktuell sind, um wahrgenommen zu werden. Oberg, Powell & Schöllhorn (2022) sprechen in diesem Zusammenhang von Selbstrepräsentationen der Organisationen. Selbstrepräsentation bedeutet, dass sich Organisationen bewusst im Vergleich zu anderen Organisationen auf ihren Websites positionieren. Sie beweisen damit, dass sie auf aktuelle Diskurse reagieren und diese in ihre Außendarstellung integrieren können. Das ist wichtig, um durch diese Anpassungsfähigkeit Legitimität im Feld zu erhalten. Etwa, um gegenüber Kunden wettbewerbsfähig zu wirken. Oder gegenüber Investoren als technologisch up-to-date zu erscheinen. Darüber hinaus geben sie für den Beobachter noch mehr preis. Ob ein Unternehmen oder eine Organisation überhaupt auf aktuelle Trends oder Themen reagiert, ist bereits spannend: Kann es nicht oder muss es nicht reagieren? Und wenn es ein Thema aufgreift, werden dann wichtige Konzepte verändert und uminterpretiert? Selbstrepräsentation wird dann eine Fähigkeit, die nicht alle Organisationen gleichermaßen teilen (müssen). Das ist vor allem in organisationalen Feldern wichtig, in denen neue Mitglieder hinzukommen, sich die Beziehungen und Verlinkungen zwischen den Organisationen verändern und durch die Konstellationen des Feldes immer wieder neue Themen auftauchen. Ob eine Organisation tatsächlich umsetzt, was sie verspricht, ist eine andere Frage. Das öffentliche Auseinandersetzen ist aber zumindest eine wichtige Vorstufe.

Woher stammen die Daten?

Die Daten stammen aus dem Web-Monitoring der deutschen Softwarebranche, das an der Universität Hamburg für das Mittelstand-Digital Zentrum Fokus Mensch durchgeführt wird. Die Universität Hamburg und das Mittelstand-Digital Zentrum Fokus Mensch agieren dabei anbieterneutral.

Wie sind die Daten zu interpretieren?

Die Trefferanzahl bezieht sich auf die Anzahl von Dokumenten, in denen der Suchbegriff mindestens einmal erwähnt wird. Das Fehlen von Treffern kann technische Gründe haben. Etwa, weil die Website nicht vollständig erfasst wurde. Auch hängt von der konkreten Fragestellung ab, welche Organisationen relevant sind. Websites mit einer großen Trefferanzahl sind meist Foren oder Blogs, weil diese viele Unterseiten haben. Auf diesen liegt jedoch nicht automatisch der Fokus der Analyse. Das Hervorheben einer Organisationen begründet sich deshalb aus der Trefferanzahl und der spezifischen Fragestellung. Die Kreisgröße ist in der Darstellung log-Skaliert.

Literatur

DiMaggio, Paul J., und Walter W. Powell. 1983. „The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in Organizational Fields“. American Sociological Review 48 (2): 147. https://doi.org/10.2307/2095101.

Kastl, Jörg Michael. 2017. Einführung in die Soziologie der Behinderung. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-04053-6 

Oberg, Achim, Walter W. Powell, und Tino Schöllhorn. 2022. „Representations of Self in the Digital Public Sphere: The Field of Social Impact Analyzed Through Relational and Discursive Moves“. In Research in the Sociology of Organizations, herausgegeben von Thomas Gegenhuber, Danielle Logue, C.R. (Bob) Hinings, und Michael Barrett, 167–96. Emerald Publishing Limited. https://doi.org/10.1108/S0733-558X20220000083007.

Powell, Walter W., und Achim Oberg. 2017. „Networks and Institutions“. In The SAGE Handbook of Organizational Institutionalism, herausgegeben von Royston Greenwood, Renate E. Meyer, und Thomas B. Lawrence, 446–73. SAGE Publications Ltd. https://www.torrossa.com/en/resources/an/5018766.

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