Waldbrände, Starkregen und Hitzewellen sind nur einige Klimarisiken, die durch „SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz“ bekämpft werden sollen. Welchen Beitrag kann die Digitalbranche leisten, um Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen? Darum geht es in diesem Beitrag zur Verbreitung der Nachhaltigkeitsziele in der deutschen IT-Branche.
Das 13. Nachhaltigkeitsziel widmet sich vollständig den Maßnahmen gegen den Klimawandel. Das Ziel lässt sich grob in zwei Unterziele spalten: Auf der einen Seite stehen Maßnahmen, die das Fortschreiten des Klimawandels unterbinden sollen, und auf der anderen Seite stehen solche Maßnahmen, die die mit dem Klimawandel einhergehenden Risiken und Folgen handbarer machen sollen. Im Folgenden geht es um die Rolle der Digitalbranche. Was will die Digitalbranche unternehmen, um den Klimawandel zu bekämpfen oder seine Risiken und Folgen zu mindern? Und welche Rolle spielen Daten in diesem Zusammenhang? Das zeigt die folgende Analyse, deren Daten aus dem anbieterneutralen Webmonitoring des Mittelstand-Digital Zentrums Fokus Mensch stammen.
Aus Emissionen werden Kennzahlen und Entscheidungsgrundlagen.
Der Einsatz digitaler Werkzeuge eröffnet die Möglichkeit, große Datenmengen zu sammeln, zu präzisieren, zu analysieren und daraus Maßnahmen abzuleiten. Dieser datenbasierte Ansatz soll so einen Beitrag für die erfolgreiche Umsetzung von Dekarbonisierungsvorhaben leisten und die Gestaltung nachhaltiger Geschäftsprozesse beeinflussen. Daten sind jedoch nicht nur für Reporting und Management wichtig – sie können reale Risiken erfassen und reduzieren.
Doch die Abmilderung des Klimawandels ist nur eine Seite des SDG 13. Auf der anderen Seite geht es darum, sich auf die zukünftigen Klimarisiken einzustellen und die Folgen händelbar zu machen.
Eine Abschätzung, was in den nächsten Jahren auf die Welt zukommen wird, hat der Weltklimarat unternommen und unterschiedliche Risiken definiert. Diese reichen vom Wegschmelzen der Pole, über Fluten und Starkregen hin zu Hitzeextremen. Kann die IT-Branche einen Beitrag leisten, damit sich die Gesellschaften anpassen können?
Eine fundierte Datenanalyse ermöglicht es, nicht nur auf akute Ereignisse zu reagieren, sondern proaktiv Klimafolgen zu minimieren. Dies unterstreicht die Bedeutung eines umfassenden, datenbasierten Risikomanagements, das durch digitale Instrumente unterstützt wird.
Abschließend:
Der Klimawandel stellt eine der größten Herausforderungen unserer Zeit dar. Das 13. Ziel für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen konzentriert sich auf Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Abmilderung seiner Folgen. Es konnte gezeigt werden, dass die Digitalbranche durch die Übersetzung von Wasser, Bäumen, Emissionen und ganzen Landschaften in Daten eine Rolle spielt: Durch innovative Softwarelösungen und Datenintegration legen sie einen grundlegenden Beitrag zum Fortschritt im Klimaschutz und eröffnen die Möglichkeit, die Risiken des Klimawandels besser zu managen.
Hier geht es zu weiteren Informationen zur “Feldanalyse” (html).
Theoretischer Hintergrund und Methodik
Was ist ein organisationales Feld?
In der Organisationsforschung kam die Beobachtung auf, dass Organisationen mit der Zeit einander immer ähnlicher werden. Auf der Suche nach Erklärungen prägten DiMaggio & Powell (1983) das Konzept des organisationalen Feldes. Organisationen in einem solchen Feld bilden eine Gemeinschaft, interagieren öfter miteinander und teilen Normen, eine ähnliche Sprache sowie ein allgemeines Verständnis. Ein organisationales Feld bildet sich aus, wenn die Mitglieder zunehmend stärker miteinander interagieren oder sich gegenseitig wahrnehmen. Es gibt dominante Organisationen, die besonders gut vernetzt sind und mit anderen Organisationen bevorzugt zusammenarbeiten So bilden sich Koalitionen zwischen den Organisationen.
Dadurch kann man analysieren, welche Organisationen wichtig sind und die Entwicklung eines Feldes beeinflussen, undr welche Organisationen versuchen, bestehende im Feld etablierte Organisationen herauszufordern.
Wie kann man ein organisationales Feld rekonstruieren?
Eine Möglichkeit, ein organisationales Feld zu rekonstruieren, ist die Analyse von Websites der Organisationen, wie Powell & Oberg (2017) beschreiben. Auf Websites verlinken Organisationen andere Organisationen. Folgt man diesen Hyperlinks, dann ergibt sich ein Netzwerk von Organisationen. Nimmt man bei diesem Netzwerk nur die Organisationen und Links, die sich gegenseitig verlinken, ergibt dieses Netzwerk das organisationale Feld. Wird eine Organisation besonders oft verlinkt, dann kann diese Organisation sehr wichtig sein und eine hohe Reputation genießen. Verlinkt wiederum eine Organisation eine andere, dann kann sie dadurch zum Ausdruck bringen, ähnliche Ziele wie diese zu verfolgen. Verlinken sich zwei Organisationen gegenseitig, dann heißt es, dass sie sich gegenseitig wahrnehmen und sich als Akteure im Feld anerkennen. Sie verschaffen sich gegenseitig eine der wichtigsten Ressourcen, nämlich Aufmerksamkeit.
Was sagen Websites über eine Organisation aus?
Websites erfassen nicht nur, wer wen verlinkt. Sie zeigen die Themen an, die diskutiert werden. Welche Schlagwörter aktuell sind, um wahrgenommen zu werden. Oberg, Powell & Schöllhorn (2022) sprechen in diesem Zusammenhang von Selbstrepräsentationen der Organisationen. Selbstrepräsentation bedeutet, dass sich Organisationen bewusst im Vergleich zu anderen Organisationen auf ihren Websites positionieren. Sie beweisen damit, dass sie auf aktuelle Diskurse reagieren und diese in ihre Außendarstellung integrieren können. Das ist wichtig, um durch diese Anpassungsfähigkeit Legitimität im Feld zu erhalten. Etwa, um gegenüber Kunden wettbewerbsfähig zu wirken. Oder gegenüber Investoren als technologisch up-to-date zu erscheinen. Darüber hinaus geben sie für den Beobachter noch mehr preis. Ob ein Unternehmen oder eine Organisation überhaupt auf aktuelle Trends oder Themen reagiert, ist bereits spannend: Kann es nicht oder muss es nicht reagieren? Und wenn es ein Thema aufgreift, werden dann wichtige Konzepte verändert und uminterpretiert? Selbstrepräsentation wird dann eine Fähigkeit, die nicht alle Organisationen gleichermaßen teilen (müssen). Das ist vor allem in organisationalen Feldern wichtig, in denen neue Mitglieder hinzukommen, sich die Beziehungen und Verlinkungen zwischen den Organisationen verändern und durch die Konstellationen des Feldes immer wieder neue Themen auftauchen. Ob eine Organisation tatsächlich umsetzt, was sie verspricht, ist eine andere Frage. Das öffentliche Auseinandersetzen ist aber zumindest eine wichtige Vorstufe.
Woher stammen die Daten?
Die Daten stammen aus dem Web-Monitoring der deutschen Softwarebranche, das an der Universität Hamburg für das Mittelstand-Digital Zentrum Fokus Mensch durchgeführt wird. Die Universität Hamburg und das Mittelstand-Digital Zentrum Fokus Mensch agieren dabei anbieterneutral.
Wie sind die Daten zu interpretieren?
Die Trefferanzahl bezieht sich auf die Anzahl von Dokumenten, in denen der Suchbegriff mindestens einmal erwähnt wird. Das Fehlen von Treffern kann technische Gründe haben. Etwa, weil die Website nicht vollständig erfasst wurde. Auch hängt von der konkreten Fragestellung ab, welche Organisationen relevant sind. Websites mit einer großen Trefferanzahl sind meist Foren oder Blogs, weil diese viele Unterseiten haben. Auf diesen liegt jedoch nicht automatisch der Fokus der Analyse. Das Hervorheben einer Organisationen begründet sich deshalb aus der Trefferanzahl und der spezifischen Fragestellung. Die Kreisgröße ist in der Darstellung log-Skaliert.
Literatur
DiMaggio, Paul J., und Walter W. Powell. 1983. „The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in Organizational Fields“. American Sociological Review 48 (2): 147. https://doi.org/10.2307/2095101.
Kastl, Jörg Michael. 2017. Einführung in die Soziologie der Behinderung. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-04053-6
Oberg, Achim, Walter W. Powell, und Tino Schöllhorn. 2022. „Representations of Self in the Digital Public Sphere: The Field of Social Impact Analyzed Through Relational and Discursive Moves“. In Research in the Sociology of Organizations, herausgegeben von Thomas Gegenhuber, Danielle Logue, C.R. (Bob) Hinings, und Michael Barrett, 167–96. Emerald Publishing Limited. https://doi.org/10.1108/S0733-558X20220000083007.
Powell, Walter W., und Achim Oberg. 2017. „Networks and Institutions“. In The SAGE Handbook of Organizational Institutionalism, herausgegeben von Royston Greenwood, Renate E. Meyer, und Thomas B. Lawrence, 446–73. SAGE Publications Ltd. https://www.torrossa.com/en/resources/an/5018766.