Energieeffiziente Rechenzentren, gespeist mit erneuerbaren Quellen sowie smarte Energiemanagementsysteme für kleine und mittelständische Unternehmen oder Endverbraucher:innen. Das sind Beispiele dafür, wie digitale Technologien im Kontext des Nachhaltigkeitsziel 7 – bezahlbare und saubere Energie zum Einsatz kommen könnten. Die folgende Analyse der deutschen Digital-Branche zeigt: Kleine und mittlere Unternehmen nehmen eine zentrale Rolle in der Bereitstellung und Umsetzung energieeffizienter und ökologisch nachhaltiger Lösungen ein. Damit leisten sie einen Beitrag zu einer sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltigen Entwicklung. Dies entspricht dem Anliegen der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN, deren Verbreitung in der IT-Branche in dieser Artikelserie thematisiert wird.
Saubere, bezahlbare Energie für alle – darauf zielt das Nachhaltigkeitsziel 7 (SDG 7) der Vereinten Nationen ab. Laut Angaben der UN hatten im Jahr 2023 jedoch 666 Millionen Menschen keinen Zugang zu einer verlässlichen, geschweige denn nachhaltigen, Energieversorgung. Gleichzeitig wächst der weltweite Energiebedarf, insbesondere durch digitale Technologien. Unternehmen der deutschen Digitalbranche verfügen jedoch über technologische Innovationen, um Lösungen zu entwickeln. Welche das sind und wie stark sie bereits in der IT-Branche sichtbar werden, zeigt die folgende Analyse ihrer Websites.
Die Feldanalyse verdeutlicht, dass Themen wie nachhaltiges Webhosting, smarte Energiemanagementsysteme und digitale Transformation im Netzwerk der Digitalbranche präsent sind. Diskurse zu nachhaltigen Cloudlösungen oder energieeffizienten Rechenzentren zeigen, dass digitale Unternehmen als Akteure der Energiewende wahrgenommen werden – auch im Kontext kleiner und mittlerer Unternehmen.
Für kleine und mittlere Unternehmen lassen sich dabei zwei Dimensionen beobachten: Zum einen eine ökonomische Dimension, die mit Kosten- und Energieeinsparungen sowie erhöhter Resilienz gegenüber Preissteigerungen verbunden wird. Zum anderen eine ökologische Dimension, die auf eine stärkere Nutzung digitaler Technologien im Rahmen der Energiewende verweist.
Einige Unternehmen verweisen in diesem Zusammenhang bereits auf Maßnahmen wie die Nutzung nachhaltiger Cloud-Dienste oder den Einsatz von Smart Metering. Diese Beispiele deuten darauf hin, dass sich auch für KMUs Zugänge eröffnen, die eine Annäherung an nachhaltige digitale Praktiken ermöglichen.
Digitale Unternehmen können die Wende einleiten, indem sie nachhaltige Server-Infrastrukturen, den Einsatz erneuerbarer Energien und intelligente Software, die Energieverbrauch drastisch reduziert, nutzen. So kann Digitalisierung selbst zum Motor der Energiewende werden.
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Theoretischer Hintergrund und Methodik
Was ist ein organisationales Feld?
In der Organisationsforschung kam die Beobachtung auf, dass Organisationen mit der Zeit einander immer ähnlicher werden. Auf der Suche nach Erklärungen prägten DiMaggio & Powell (1983) das Konzept des organisationalen Feldes. Organisationen in einem solchen Feld bilden eine Gemeinschaft, interagieren öfter miteinander und teilen Normen, eine ähnliche Sprache sowie ein allgemeines Verständnis. Ein organisationales Feld bildet sich aus, wenn die Mitglieder zunehmend stärker miteinander interagieren oder sich gegenseitig wahrnehmen. Es gibt dominante Organisationen, die besonders gut vernetzt sind und mit anderen Organisationen bevorzugt zusammenarbeiten So bilden sich Koalitionen zwischen den Organisationen.
Dadurch kann man analysieren, welche Organisationen wichtig sind und die Entwicklung eines Feldes beeinflussen, undr welche Organisationen versuchen, bestehende im Feld etablierte Organisationen herauszufordern.
Wie kann man ein organisationales Feld rekonstruieren?
Eine Möglichkeit, ein organisationales Feld zu rekonstruieren, ist die Analyse von Websites der Organisationen, wie Powell & Oberg (2017) beschreiben. Auf Websites verlinken Organisationen andere Organisationen. Folgt man diesen Hyperlinks, dann ergibt sich ein Netzwerk von Organisationen. Nimmt man bei diesem Netzwerk nur die Organisationen und Links, die sich gegenseitig verlinken, ergibt dieses Netzwerk das organisationale Feld. Wird eine Organisation besonders oft verlinkt, dann kann diese Organisation sehr wichtig sein und eine hohe Reputation genießen. Verlinkt wiederum eine Organisation eine andere, dann kann sie dadurch zum Ausdruck bringen, ähnliche Ziele wie diese zu verfolgen. Verlinken sich zwei Organisationen gegenseitig, dann heißt es, dass sie sich gegenseitig wahrnehmen und sich als Akteure im Feld anerkennen. Sie verschaffen sich gegenseitig eine der wichtigsten Ressourcen, nämlich Aufmerksamkeit.
Was sagen Websites über eine Organisation aus?
Websites erfassen nicht nur, wer wen verlinkt. Sie zeigen die Themen an, die diskutiert werden. Welche Schlagwörter aktuell sind, um wahrgenommen zu werden. Oberg, Powell & Schöllhorn (2022) sprechen in diesem Zusammenhang von Selbstrepräsentationen der Organisationen. Selbstrepräsentation bedeutet, dass sich Organisationen bewusst im Vergleich zu anderen Organisationen auf ihren Websites positionieren. Sie beweisen damit, dass sie auf aktuelle Diskurse reagieren und diese in ihre Außendarstellung integrieren können. Das ist wichtig, um durch diese Anpassungsfähigkeit Legitimität im Feld zu erhalten. Etwa, um gegenüber Kunden wettbewerbsfähig zu wirken. Oder gegenüber Investoren als technologisch up-to-date zu erscheinen. Darüber hinaus geben sie für den Beobachter noch mehr preis. Ob ein Unternehmen oder eine Organisation überhaupt auf aktuelle Trends oder Themen reagiert, ist bereits spannend: Kann es nicht oder muss es nicht reagieren? Und wenn es ein Thema aufgreift, werden dann wichtige Konzepte verändert und uminterpretiert? Selbstrepräsentation wird dann eine Fähigkeit, die nicht alle Organisationen gleichermaßen teilen (müssen). Das ist vor allem in organisationalen Feldern wichtig, in denen neue Mitglieder hinzukommen, sich die Beziehungen und Verlinkungen zwischen den Organisationen verändern und durch die Konstellationen des Feldes immer wieder neue Themen auftauchen. Ob eine Organisation tatsächlich umsetzt, was sie verspricht, ist eine andere Frage. Das öffentliche Auseinandersetzen ist aber zumindest eine wichtige Vorstufe.
Woher stammen die Daten?
Die Daten stammen aus dem Web-Monitoring der deutschen Softwarebranche, das an der Universität Hamburg für das Mittelstand-Digital Zentrum Fokus Mensch durchgeführt wird. Die Universität Hamburg und das Mittelstand-Digital Zentrum Fokus Mensch agieren dabei anbieterneutral.
Wie sind die Daten zu interpretieren?
Die Trefferanzahl bezieht sich auf die Anzahl von Dokumenten, in denen der Suchbegriff mindestens einmal erwähnt wird. Das Fehlen von Treffern kann technische Gründe haben. Etwa, weil die Website nicht vollständig erfasst wurde. Auch hängt von der konkreten Fragestellung ab, welche Organisationen relevant sind. Websites mit einer großen Trefferanzahl sind meist Foren oder Blogs, weil diese viele Unterseiten haben. Auf diesen liegt jedoch nicht automatisch der Fokus der Analyse. Das Hervorheben einer Organisationen begründet sich deshalb aus der Trefferanzahl und der spezifischen Fragestellung. Die Kreisgröße ist in der Darstellung log-Skaliert.
Literatur
DiMaggio, Paul J., und Walter W. Powell. 1983. „The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in Organizational Fields“. American Sociological Review 48 (2): 147. https://doi.org/10.2307/2095101.
Kastl, Jörg Michael. 2017. Einführung in die Soziologie der Behinderung. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-04053-6
Oberg, Achim, Walter W. Powell, und Tino Schöllhorn. 2022. „Representations of Self in the Digital Public Sphere: The Field of Social Impact Analyzed Through Relational and Discursive Moves“. In Research in the Sociology of Organizations, herausgegeben von Thomas Gegenhuber, Danielle Logue, C.R. (Bob) Hinings, und Michael Barrett, 167–96. Emerald Publishing Limited. https://doi.org/10.1108/S0733-558X20220000083007.
Powell, Walter W., und Achim Oberg. 2017. „Networks and Institutions“. In The SAGE Handbook of Organizational Institutionalism, herausgegeben von Royston Greenwood, Renate E. Meyer, und Thomas B. Lawrence, 446–73. SAGE Publications Ltd. https://www.torrossa.com/en/resources/an/5018766.