Für dieses Praxisprojekt haben wir zwei Startups miteinander vernetzt und während der gesamten Kooperation begleitet: ein Robotik-Startup, das eine modulare Softwarelösung zur Automatisierung manueller Handhabungstätigkeiten mit Roboterarmen entwickelt, und ein UX-Startup, das ein KI- und wissenschaftsbasiertes Tool zur automatisierten Usability-Testung digitaler Interfaces aus verschiedenen Nutzerperspektiven anbietet. Durch die Vernetzung konnte das Robotik-Startup sein User Interface automatisiert evaluieren lassen, während das UX-Startup im Gegenzug eine weitere erfolgreiche Case Study sowie wertvolles Feedback für die eigene Weiterentwicklung gewann.
Hintergrund
UXopt ist ein Startup, das ein KI- und wissenschaftsbasiertes Tool entwickelt, mit dem sich digitale Interfaces automatisiert aus diversen Nutzerperspektiven evaluieren lassen. Dabei verbindet das Tool etablierte Usability-Normen wie die ISO 9241-110 (DIN, 2020) mit anwendungsspezifischen Personas (Burnett et al., 2016) und einer strukturierten, automatisierten Analyse.
VIRAS Solutions ist ein junges Berliner Startup, das eine graphenbasierte No-Code Workflow Engine zur Automatisierung manueller Handhabungstätigkeiten mit Roboterarmen entwickelt.
Das Ziel der Kooperation:
Unternehmen sollen schnell und skalierbar Usability-Probleme frühzeitig erkennen, Optimierungspotenziale systematisch identifizieren und fundierte Entscheidungen für die Weiterentwicklung ihrer digitalen Produkte treffen können.
Die Kooperation in der Praxis
Wie das konkret funktioniert, wurde gemeinsam mit dem Robotik-Startup am Webfrontend der genannten Workflow Engine erprobt. Anliegen des Unternehmens war es, das bestehende User Interface im Hinblick auf verschiedene Benutzergruppen zu analysieren und darauf basierend konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Usability zu erarbeiten.
Auf Basis des GenderMag-Ansatzes (Burnett et al., 2016) wurden drei Personas entwickelt, die unterschiedliche psychologische Rollen, Wissensstände und Nutzungsvoraussetzungen der anvisierten Anwendergruppen abbilden. Anschließend wurden zehn typische Anwendungsfälle definiert.
Das Analyse-Tool bewertet automatisiert relevante Kombinationen aus Persona und Aufgabe. Dabei wurden die Befunde direkt für die weitere Produktentwicklung aufbereitet: mit Beobachtung, Auswirkung, konkreter Handlungsempfehlung, Schweregrad, Screenshot und Referenz zur jeweiligen Usability-Norm.
So entsteht aus einer UX-Analyse eine konkrete Entscheidungsgrundlage für Produkt- und Entwicklungsteams.
Ergebnisse
Die Zusammenarbeit zeigt das Potenzial automatisierter UX-Evaluation für die Produktentwicklung:
- Relevante Ergebnisse mit hohem Detailgrad: Die Analyse bestätigte bekannte UX-Herausforderungen und identifizierte zugleich zusätzliche Optimierungspotenziale.
- Hohe Akzeptanz der Befunde: Das Startup bewertete die identifizierten Probleme und deren Schweregrade als nachvollziehbar und inhaltlich relevant.
- Wissenschaftliche Fundierung mit praktischem Nutzen: Die systematische Einordnung anhand etablierter Usability-Normen wurde als besonderer Mehrwert wahrgenommen.
- Unterschiedliche Nutzerperspektiven systematisch berücksichtigt: Durch die Persona-basierte Analyse konnte dasselbe Interface gezielt aus verschiedenen Nutzungsperspektiven betrachtet werden.
- Direkt verwertbare Ergebnisse: Konkrete Handlungsempfehlungen schaffen eine Grundlage dafür, identifizierte Schwachstellen gezielt zu priorisieren und das Produkt weiterzuentwickeln.
- Besonders interessant für frühe Iterationen: Das Tool unterstützt Produktteams dabei, bereits während der Entwicklung systematisch auf UX-Probleme zu prüfen und optimierte Lösungsvorschläge zu erhalten.
UX-Evaluation dort einsetzen, wo sie den größten Unterschied macht
Die Kooperation verdeutlicht, wie sich wissenschaftlich fundierte UX-Evaluation früher, häufiger und systematischer in digitale Entwicklungsprozesse integrieren lässt.
Das Tool soll klassische Nutzerforschung ergänzen, wo kontinuierlich automatisierte Tests aufgrund von Zeit, Budget und Ressourcen praktikabel sind.
Das Ergebnis: mehr UX-Erkenntnisse während der Entwicklung und eine fundiertere Grundlage für die Frage, wo Produktteams als Nächstes optimieren sollten.
Besonders für KMU und Startups bieten automatisierte Usability- und UX-Evaluationen einen wertvollen Mehrwert, da sie oft weniger Ressourcen für das Durchführen einer Vielzahl von Usability-Tests zur Verfügung haben.
Testimonials
Ich war positiv überrascht, wie gut die Usability-Tests bereits mit unserer Software im Prototypenstadium funktioniert haben, obwohl die Bedienung zu diesem Zeitpunkt noch relativ komplex war. Dabei wurden nicht nur bereits bekannte Fehler und Verbesserungspotenziale identifiziert, sondern auch Probleme aufgedeckt, die uns zuvor noch nicht bewusst waren. Besonders hilfreich war, dass direkt konkrete Verbesserungsvorschläge mitgeliefert und die Ergebnisse automatisch priorisiert wurden. Dadurch konnten wir schnell einschätzen, welche Themen wir zuerst angehen sollten. Selbst für uns als Startup. Während des gesamten Prozesses wurden wir sehr gut begleitet und wussten jederzeit, was die nächsten Schritte sind, von der Einführung bis hin zur Auswertung. Die Zusammenarbeit war dadurch strukturiert, unkompliziert und professionell.
Wir arbeiten auch in Zukunft sehr gerne wieder mit der TU Chemnitz und UXopt zusammen.
(Leon und Team VIRAS)
Durch die Zusammenarbeit konnten wir nicht nur in einen professionellen und fachlich wertvollen Austausch treten, sondern auch zahlreiche konkrete Impulse und Verbesserungsvorschläge für unser Projekt mitnehmen. Besonders hilfreich war dabei der externe Blick auf unsere Anwendung und die damit verbundene Möglichkeit, bestehende Annahmen zu hinterfragen und neue Perspektiven einzunehmen.
Wir sind sehr dankbar für die Zusammenarbeit mit UXopt, dem Mittelstand Digitalzentrum – Fokus Mensch und der TU Chemnitz und möchten den fachlichen Austausch auch über das gemeinsame Projekt hinaus aufrechterhalten. Die gewonnenen Erkenntnisse werden uns bei der weiteren Entwicklung unserer Anwendung nachhaltig begleiten.
(Oliver und Team VIRAS)
Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie an einer Kooperation mit uns interessiert sind.
Quellen
Margaret Burnett, Simone Stumpf, Jamie Macbeth, Stephann Makri, Laura Beckwith, Irwin Kwan, Anicia Peters, William Jernigan, GenderMag: A Method for Evaluating Software's Gender Inclusiveness, Interacting with Computers, Volume 28, Issue 6, 19 November 2016, Pages 760–787, https://doi.org/10.1093/iwc/iwv046
International Organization for Standardization. (2020). Ergonomics of human-system interaction — Part 110: Interaction principles (ISO Standard No. 9241-110:2020). https://www.iso.org/standard/75258.html
Themen
Weitere Informationen
Kontakt
Veronica Hoth
- Technische Universität Chemnitz
- Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Usability
- Mittelstand-Digital Zentrum Fokus Mensch
- Wilhelm-Raabe-Straße 43,
- 09120 Chemnitz